Tandempartner gesucht und gefunden

tandempartner
Für mich hat das Flüchtlingsthema mit Kemo, dem 21-jährigen jungen Mann aus Gambia ein Gesicht und eine Geschichte bekommen

Ziemlich genau vor einem Jahr hat mir meine Frau, die selbst seit einigen Monaten eine junge Somalierin betreute, eine E-Mail des Flüchtlingshelferkreises in Gundelfingen weitergeleitet. Gesucht wurden sogenannte Tandempartner, die jeweils einen von acht jungen Männern  aus Gambia begleiten sollten. Die Gruppe junger Gambier wurde bisher von einer älteren Dame betreut, die sich aber nicht um alle gleichzeitig kümmern konnte und mit der Hilfestellung inzwischen ziemlich überfordert war. Ich dachte mir das wäre was für mich und rief die Dame an. Wir vereinbarten einen Termin in der Gemeinschaftsunterkunft und trafen uns dort, damit ich die jungen Männer kennenlernen konnte. Diese wohnen in einer sogenannten Anschlussunterkunft in Gundelfingen. In einem Gebäude der Gemeinde mit vier Zimmern, einem Bad und einer kleinen Küche.

Für mich war diese erste Begegnung sehr aufregend. Ich war sehr gespannt, was mich dort erwarten würde. Positiv überrascht war ich von der herzlichen und lockeren Atmosphäre und der  guten Stimmung unter den jungen Gambiern, die zwischen 17 und 25 Jahren alt waren. Mit Händen und Füßen und einigermaßen guten Englischkenntnissen auf beiden Seiten haben wir uns verständigt. Nach dem Besuch war für mich klar, dass ich die Aufgabe eines Tandempartners übernehmen wollte. Ich vereinbarte mit einem der Männer, mit dem ich mich an diesem Abend länger unterhielt, einen ersten Kennenlerntermin und versuchte in den kommenden Wochen und Monaten ihm so gut es ging zu helfen.

Was macht eigentlich ein Tandempartner?
Tandempartner bedeutet einfach nur, dass sich jemand bereit erklärt, entsprechend seiner Möglichkeiten und des jeweiligen Zeitbudgets sich mit den Flüchtlingen ab und zu oder auch regelmäßig zu treffen. Inhaltlich ist die Tandembegleitung völlig frei. Man kann den Flüchtling mal auf einen Ausflug mitnehmen oder ihn einfach nur besuchen und mit ihm Deutsch sprechen. Allein die Tatsachen, dass da jemand ist, der sich interessiert und vielleicht auch ab und zu weiterhelfen kann, ist für jeden Flüchtling ein großes Plus.

Ja, apropos weiterhelfen. Das habe ich dann auch versucht und getan. Ich hatte im September 2015 riesiges Glück ihn gerade noch rechtzeitig in der Römerhofschule in Littenweiler anzumelden. Er kam in eine Vorbereitungsklasse für den etwaigen Besuch einer Hauptschulabschlussklasse. Nach erfolgreichem Abschluss des letzten Schuljahres büffelt er nun seit einer Woche für den erfolgreichen Hauptschulabschluss. Ich unterstütze ihn ab und zu bei den Hausaufgaben, gehe gemeinsam mit ihm zur Bank und zu diversen Ämtern, versuche das Amtsdeutsch von Briefen in einfache Worte zu übersetzen, habe ihm einen kleinen Aushilfsjob bei einer Obst- und Gemüsehandlung besorgt und seit einigen Monaten sieht man auf dem Sportplatz von Heuweiler, meinem Heimatdorf, afrikanische Fußballkünste aus Gambia. Gerade die unkomplizierte und herzliche Aufnahme im Fußballverein hat mich sehr gefreut. Vor vier Wochen waren wir gemeinsam bei der Saisoneröffnung des SC Freiburg. Eine kleine Abwechslung in den, für ihn, viel zu langen Sommerferien.

Mir gibt diese ehrenamtliche Tätigkeit viel mehr, als sie mich beansprucht. Für mich hat das Flüchtlingsthema mit Kemo, dem 21-jährigen jungen Mann aus Gambia ein Gesicht und eine Geschichte bekommen. Die große Politik klammere ich für mein Ehrenamt völlig aus. Dies würde unsere Tandempartnerschaft nur unnötig belasten. Ich versuche einfach Kemo, so gut es geht, die Integration in unserem Land zu erleichtern. Der Schlüssel dazu ist und bleibt die deutsche Sprache. Er lernt jeden Tag dazu und hofft auf einen Ausbildungsplatz im nächsten Jahr, vielleicht als Kfz-Mechaniker oder Maurer und träumt von einer kleinen Wohnung in Gundelfingen. Ob er wirklich eine Zukunft in Deutschland hat, ist noch nicht abschließend entschieden, da sich die Abschiebekriterien inzwischen verschärft haben.

Meiner Meinung nach braucht niemand in Deutschland Angst und Sorgen vor der Überfremdung zu haben. Wenn wir auf die geflüchteten Menschen zugehen, sind sie uns nicht mehr fremd.

Hintergrundinformationen zu Gambia:
Gambia ist eine Republik in Westafrika, die an den Ufern des Gambia liegt. Hauptstadt ist Banjul. Es ist der kleinste Staat des afrikanischen Festlandes. Gambia hat rund 17, Millionen Einwohner. Präsident Yahya Jammeh führt das Land recht kompromisslos. 2012 wurden neun politische Häftlinge in Todeszellen standrechtlich erschossen. 2013 erklärte die Regierung die Mitgliedschaft im Commonwealth für beendet. Seit 2014 häufen sich Berichte über massive Menschenrechtsverletzungen.2015 erklärte Jammeh das Land zu einem islamischen Staat. Im Juni 2015 wurde die ständige EU-Vertreterin ohne Angabe von Gründen des Landes verwiesen.

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