Steil hinauf zum Top of Europe

Traumwetter und traumhafte Aussichten bei unserem diesjährigen Wanderausflug

Für dieses Jahr hatte sich das Organisationsteam der Wander- und Runnertruppe der Volksbank etwas Besonderes ausgedacht: Nach den Umfragen im letzten Jahr wurde beschlossen, wieder eine Tour im Berner Oberland zu machen. Das diesjährige Ziel: Mit der Bergbahn  zur Station auf dem Jungfraujoch.

Diese Bahnfahrt ist kein billiges Vergnügen, daher war die erste Hälfte der Strecke von Lauterbrunnen auf die kleine Scheidegg zu Fuß zurückzulegen. Von dort aus ist es erschwinglicher.
Ende Juli starteten am frühen Morgen achtzehn Personen vom Kaiserstuhl, der Bismarckallee 10 und Konstanz bei bestem Wetter in die Schweiz hinein. Etwa zweieinhalb Stunden später in Lauterbrunnen musste erst mal ein geeigneter Parkplatz für unseren Kleinbus gefunden werden. Ich war beeindruckt, wie geschickt unser Fahrer Rolf sich in eine doch recht schmale Parklücke hineinquetschen konnte. Mit einer kleinen Verspätung fanden sich dann alle am verabredeten Treffpunkt zusammen.

Gut ausgebaut aber sehr steil führte uns der Weg hinauf zur kleinen Scheidegg

Nach fröhlicher Begrüßung kam die übliche Maßnahme der Umverteilung der mitgebrachten Weinflaschen. Dieses Mal gab es den Kirchwieh aus dem Hirzler Wingert, was Feines aus der Leber-Fraktion und ein leckeres Mitbringsel vom Bodensee. Dann ging es los. Wetter optimal, Stimmung gut ……. Weg steil! Natürlich und selbstverständlich informiert man sich ein wenig über die geplante Route, aber über veranschlagte grobe 1300 Höhenmeter für den Anstieg insgesamt liest man schnell hinweg.

Das in unserer Wegbeschreibung geschilderte Tosen und Rauschen der 72 Wasserfälle, die in der Gegend hüben und drüben ins Tal stürzen, habe ich anfangs noch registriert und mir auch noch die herrlichen Ausblicke auf die Wiesen, die von den Wasserfällen eingerahmt wurden, angesehen. Aber dann ging es durch den Wengwald  und das war so steil, dass ich mich wirklich mit Bedacht auf meinen Schrittrhythmus konzentrieren musste.

Es gibt in unserer Gruppe gut trainierte und weniger gut trainierte Teilnehmer, aber an unserem ersten kleineren Stopp – die Ferienhütte hieß „Kronkelhonk“ – war schon ersichtlich, dass sich alle erstmal etwas auf den Steigungsgrad der Etappe einstellen mussten. Es wurde weiter bergan gekeucht und in Wengen teilte sich dann die Gruppe.
Die ersten beschlossen, doch das Zügle zu nehmen und auf die Scheidegg zu fahren. Es war einfach sehr warm und die zu bewältigenden Höhenmeter sowie die Höhe insgesamt taten ihr Übriges.

Der Wanderweg wird immer wieder von der Bahnlinie gekreutzt

Der Weg ist wirklich sehr gut ausgebaut und von Wanderern und Mountainbikern gleichermaßen geschätzt. Er bietet fantastische Blicke auf die Berge ringsum und die Bahn kreuzt immer mal wieder die Wanderroute, was sie auch so populär macht. So kann man doch gegebenenfalls, kurz bevor man zusammen bricht, mit der Bahn auf die Bergstation gelangen.

Bei der Allmendhütte etwas oberhalb von Wengen wurde wieder kurz gerastet – die ersten saßen auf der Terrasse, die letzten hatten das gar nicht mitbekommen und hockten im Schatten am Weg unterhalb der Hütte –  und zwei weitere Gruppenmitglieder nahmen die Option wahr, das letzte große Stück Weg zur kleinen Scheidegg mit der Bahn zurückzulegen.

Letztendlich kamen alle so oder so mit kleinen und größeren Pausen und immer das Silberhorn oder die Jungfrau im Blick bei unserer Unterkunft etwas oberhalb von der Bahnstation der kleinen Scheidegg an. Für mich war das insofern sensationell, weil ich dieses Jahr bereits einmal im Winter mit der Betriebssportgruppe „Skifoan“ in Skiausrüstung und mit recht viel Schnee um mich herum da oben stand. Die gleiche Gegend im Sommer mit anderen Touristen zu erleben, fand ich grandios.

Unsere Unterkunft bot Doppelzimmer oder Massenlager zur Auswahl

Eine wunderbare Sicht bei bestem Wanderwetter bot sich uns: große Scheidegg, Eiger – dieses Mal nicht ganz so finster – Mönch und Jungfrau direkt vor unserer Nase und fast ohne Wolken. Besser ging es nicht!

Auch unsere Unterkunft „Grindelwaldblick“ konnte sich sehen lassen. Das Massenlager mit den Doppelbetten bot genügend Freiraum für die, die nicht den Luxus eines Doppelzimmers in Anspruch genommen hatten. Es gab ein gutes Abendessen und für uns die bislang beste Location, um unsere mitgebrachten Weinflaschen unbehelligt zu leeren. Die Hütte hatte von der Terrasse aus erreichbar einen Pavillon auf einem vorgelagerten Felsen errichtet, der gerade genug Platz für 20 Personen bietet. Im Schein der untergehenden Sonne und mit den Resten eines Gewitters, das sich irgendwo hinter dem Eiger-Mönch-Jungfrau-Massiv während unseres Abendessens ereignet hatte, konnten wir bei Alpenglühen, Käse und Wein es uns so richtig gut gehen lassen. Dementsprechend war auch die Stimmung.

Am nächsten Morgen mussten wir wieder früh hinaus. Das eigentliche Highlight – die Fahrt zum Jungfraujoch erwartete uns. Mit einem super Buffet-Frühstück im Magen und einer spitzen Wetterprognose zuckelten wir durch den Eiger dem „Top of Europe“ entgegen. Wir waren leider nicht die Einzigen. unter den Touristen auffällig viele Japaner, Chinesen, und Koreaner, der ein oder andere Inder und ein paar Briten waren auch dabei.

Am „Top of Europe“ waren einige modische Extravaganzen zu bewundern.

Egal, wir waren oben: annähernd dreieinhalbtausend Meter über dem Meeresspiegel! Die Sonne schien, man hatte Ausblick über die Bergketten bis zum Schwarzwald, man stand am Aletschgletscher. Man konnte eine Tour durch die Eishöhlenwelt machen, Jetskifahren, sich abseilen lassen, Kaffee trinken, in der Sonne sitzen oder, was die Fittesten unter uns gemacht haben, eine kleine Schneewanderung zur Mönchsjochhütte unternehmen und von dort das alpine Panorama genießen. Ich persönlich habe die eine oder andere modische Extravaganz unserer asiatischen Mitbesucher bestaunt und faul in der Sonne gesessen.

Gegen Mittag fuhren wir dann wieder im eigenen Bahnabteil auf die kleine Scheidegg hinunter. Die Wanderrucksäcke wurden aus dem Schuppen geholt, Mittag gevespert und dann ging es den gleichen steilen Weg wieder bergab nach Lauterbrunnen. Es begann zu rumpeln. Ein Mittagsgewitter war im Anzug. Das machte dann doch den einen oder anderen unter uns etwas nervös. Dementsprechend schneller war das Schritttempo nach unten.

Pause im Schnee

Blöderweise ging mir unterwegs eine Außentasche am Rucksack auf und ich verlor erstmal meine letzten kostbaren Reste Trinken, Schokolade, Gummibärchen und eine meiner Outdoorsandalen. Hatte es aber gemerkt, musste umkehren, alles wieder einsammeln und bei dieser Gelegenheit meinen Regenponcho überziehen – die ersten schweren Regentropfen fielen. Es war schwarz grau überm Berg und nass.

So kämpften wir uns sehr schnell zur nächsten Bahnstation Wengeneralp durch. Doch schon um die nächste Biegung war von Regen nichts mehr zu spüren, kein Donnergrummeln und die Sonne kam wieder raus. Das alles in einem Abstand von wirklich wenigen Minuten. Ja, die Berge sind launisch!Also Regenponcho wieder weg, Schritttempo der Steilheit des Weges wieder anpassen.  So wanderten wir entspannt im Sonnenschein weiter bergab der Allmendhütte entgegen.

Die für das Gebirge typischen schnellen Wetterwechsel bekamen auch wir zu spüren

Ein paar von uns hatten beschlossen, für den letzten Stich bergab die Bahn zu nehmen, denn es begann wieder zuerst in Sturzbächen, dann später gemäßigter zu regnen, das Gewitter kam zurück und unsere Knie wollten nicht mehr steil bergab das restliche Gewicht unseres müden Körpers abfedern. Gesagt, getan und pünktlich um 17 Uhr waren wir alle wohlbehalten wieder an unserem Ausgangspunkt in Lauterbrunnen eingetroffen.
Alles gut!

Unser Fahrer chauffierte uns souverän und geschmeidig wieder durch strichweisen Gewitterregen, Sonnenschein und Autobahnverkehr zurück nach Freiburg und so nahm dann ein toller, aber zumindest mich auch körperlich herausfordernder Wandertripp sein Ende. Aber nach dem Wandern ist vor dem Wandern: Im Herbst wollen wir uns in der Pfalz auf die Walz begeben. Freue mich schon darauf!

Autor: Susanne Mentz

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