Serie Familie und Beruf: Vereinbarkeit ermöglichen

Arbeitgeber können einiges tun, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu vereinfachen

Es ist Sonntagabend. Während ich diesen Blog-Betrag schreibe, sitze ich im ICE nach Berlin auf dem Weg zu einem Workshop unseres Bundesverbandes BVR. Dass ich hier sitzen kann, habe ich meinen Schwiegereltern zu verdanken.

Mein fünfjähriger Sohn, gestern noch putzmunter im Schwimmkurs, war heute Morgen übellaunig aufgewacht. Der Grund der schlechten Laune ließ nicht lange auf sich warten: eine massive Magen-Darm-Verstimmung, deren Folgen das entspannte Sonntagsfrühstück jäh beendete. Statt eines „Easy-Sunday-Mornings“ stand „Tatortreinigung“ und Krankenpflege in Vordergrund.

Während der kleine Patient mit einem Eimer vor dem Fernseher „geparkt“ wurde, tagte am Wohnzimmertisch der Krisenstab. Denn eins war uns sofort klar: Der Kindergarten bleibt für unseren Sohn morgen verschlossen. Wie immer kommt der krankheitsbedingte Ausfall zur vermeintlichen Unzeit. Vor meiner berufstätigen Frau liegt eine Woche mit erhöhten Stressfaktor und einem bunten Strauß an Herausforderungen und für mich steht der Workshop in Berlin auf der Kippe.

Das Glück, dass die Großeltern bei der Kinderbetreuung helfen, haben nicht alle Familien

Die Frage also: Wer bleibt zu Hause? Die Lösung: Meine Schwiegereltern übernehmen die Betreuung des Patienten, dem es am späten Nachmittag schon besser geht. Selbstverständlich ist das nicht. Viele haben diese Option nicht. Dankbar nehmen wir das Angebot an.

Als Vater zweier Kinder und Personalleiter sehe ich die Herausforderung „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ aus zwei Blickwinkeln. Ich weiß das unglaubliche Glück und die Erfüllung, Kinder zu haben, sehr zu schätzen – kenne aber auch die Herausforderungen berufstätiger Eltern aus eigenen Erfahrungen sehr gut.  Als Personalleiter sehe ich mich in der Verantwortung, einen Rahmen zu schaffen, der die Vereinbarung von Beruf und Familie ermöglicht.

In den vergangenen Jahren hat sich in der Kleinkindbetreuung vieles zum Positiven entwickelt. Das Gerangel um Betreuungsplätze von Krippe, Tagesmutter, Kita bis hin zum Schülerhort ist leider immer noch nervenaufreibend und zu weilen unwürdig. Die Volksbank Freiburg unterstützt deshalb die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, in dem wir unseren Mitarbeitenden in Kooperation mit der Einrichtung „Junikäfer“ eine hochwertige Kleinkindbetreuung von der neunten Woche bis zum dritten Lebensjahr an mehreren Standorten im Stadtgebiet Freiburg anbieten. Dieses Angebot fokussiert auf Eltern, die sehr schnell nach Mutterschutz/Elternzeit mit einem hohen Arbeitszeitanteil wieder ins Berufsleben einsteigen möchten.

Bei der Kleinkindbetreuung hat sich in den letzten Jahren zum Glück einiges zum Besseren entwickelt

Viele unserer Mitarbeitenden wohnen aber außerhalb von Freiburg und möchten ihre Kinder lieber in Einrichtungen am Wohnort unterbringen. Wir bieten daher berufstätigen Paaren oder Alleinerziehenden mit Kindern bis zum siebten Lebensjahr einen Betreuungszuschuss für Einrichtungen mit erweiterten Öffnungszeiten an. Der Zuschuss beträgt 50 Prozent der Betreuungskosten ohne Verpflegung und ist je Kind auf maximal  75 Euro monatlich begrenzt.

Vor allem Kinder im Kindergartenalter sind häufiger krank. Dies führt zu Situationen, wie in der Einleitung beschrieben. Meistens geschieht dies nicht am Wochenende, sondern unter der Woche ohne Ankündigung früh am Morgen. Dann ist Krisenmanagement angesagt. Wir stellen Mitarbeitende in Vollzeit pro Jahr und Kind bis zu 10 Tage bezahlt von der Arbeit frei, wenn eine Bestätigung des Kinderarztes vorliegt. Bei Teilzeitkräften ist die Anzahl der Tage anteilig. Der bürokratische Akt, bei der Krankenkasse einen Ersatz der entfallenen Lohnkosten zu beantragen, entfällt somit.

70 Prozent der Väter nehmen bei der Volksbank Freiburg die zwei Vätermonate in Anspruch

In der Volksbank Freiburg nehmen mittlerweile 70 Prozent der Männer die beiden Vätermonate in der Elternzeit in Anspruch – darunter auch Führungskräfte. Ich selbst habe bei meinem Sohn diese tolle Möglichkeit wahrgenommen. Einen Bericht darüber habe ich damals hier im Blog verfasst. Darüber hinaus gehende Elternzeit wird bei unseren männlichen Mitarbeitern äußerst selten in Anspruch genommen.  Ein Grund hierfür mag sein, dass eine längere Elternzeit als karrierehinderlich empfunden wird. Dass dies nicht ganz von der Hand zu weisen ist, zeigt, dass eine längere Elternzeit gerade bei sehr gut qualifizierten Frauen in Deutschland immer noch häufig zu einem Karriereknick führt.

Bei unseren Mitarbeiterinnen ist das gängige Modell, zwei Jahre Elternzeit zu beantragen, mit der Option ggf. im zweiten Jahr vorzeitig zurückzukommen. Wir führen mit jeder Mitarbeiterin und der verantwortlichen Führungskraft ein Bilanz- und Perspektivgespräch. Unser Ziel ist es, den Mitarbeiterinnen auch nach der Elternzeit Perspektiven zu bieten. In den vergangenen Jahren ist uns dies auch mit einer hohen Erfolgsquote gelungen.

Aber auch die Volksbank Freiburg kann sich dem Branchentrend nicht entziehen, dass aufgrund von Digitalisierung und geändertem Kundenverhalten insgesamt weniger Mitarbeitende benötigt werden. Dies erschwert derzeit leider die Möglichkeit, allen Mitarbeitenden einen Wiedereinstieg nach Elternzeit zu bieten.

Förderlich für den Wiedereinstieg in den Beruf ist, auch in der Elternzeit am Ball zu bleiben

Förderlich für einen erfolgreichen Wiedereinstieg sind aus unserer Sicht die Qualifikation, die Leistungen vor der Elternzeit, die Flexibilität hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten und die Bereitschaft, mindestens 50 Prozent in Teilzeit, idealerweise an ganzen Tagen, zu arbeiten.

Um während der Elternzeit fachlich am Ball zu bleiben, werden wir allen Mitarbeitenden in Elternzeit ab dem kommenden Jahr über unsere Onlineplattform „VR-Bildung“ die Teilnahme an Web-Based-Trainings und Webinaren ermöglichen. Gleiches gilt für die Teilnahme an unserem internen Seminarangebot „VobaCampus“.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist immer wieder eine neue Herausforderung. Auf der anderen Seite sind Kinder eine herrliche Entschleunigung. Wenn ich nach einem anstrengenden Arbeitstag zur Eingangstür hereinkomme, relativieren sich alle vermeintlichen Probleme aus dem Berufsalltag sehr schnell. Dann bin ich auf andere Weise gefordert, die zu beschreiben einen eigenen Blogbeitrag wert wäre. Wie schön ist es aber zum Beispiel, mit seinen Kindern ein Fußballstadion aus Legobausteinen zu bauen oder eine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen? Wie schnell sind die Kinder groß. Deshalb heißt es Prioritäten zu setzen, sich Zeit und gemeinsame Freiräume zu nehmen. Am Ende zählt die Familie – sie ist die Nummer 1!

Autor: Jens Hupperich

Serie Familie und Beruf: Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Serie Familie und Beruf: Plötzlich alleinerziehend
Serie Familie und Beruf: Vereinbarkeit ermöglichen
Serie Familie und Beruf: Pflege zu Hause
Serie Familie und Beruf: Das klassische Modell

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

+ 63 = 70