Resi… was?

ResilireAls ich den Begriff „Resilienz“ das erste Mal gehört habe, ging es mir wie vielen anderen auch. Ich habe mich gefragt, was das ist. Wie schreibt man das und wie spricht man’s aus? Kann man das essen? Ist das ansteckend oder tut das weh? Nichts davon trifft zu, wie ich heute weiß. Die anfängliche Skepsis war schnell verflogen, weil ich gelernt habe, dass Resilienz dazu beiträgt, dass man gesund bleibt und wer möchte das nicht?
Es scheint Menschen zu geben, die gänzlich stressresistent sind, beziehungsweise irgendwie auch in stressigen Situationen völlig tiefenentspannt wirken – sowohl im beruflichen wie auch im privaten Kontext. Immer wieder stehen wir schließlich vor Situationen, die wenig bis gar nicht vergnügungssteuerpflichtig sind. Vielleicht kennen Sie ja auch Menschen, bei denen Sie sich fragen: „Wie schafft der/die das bloß?“

Als die Universität Freiburg bei uns angefragt hat, ob die Volksbank Freiburg als Verbundpartner im Projekt „Resilire“ dabei sein  möchte, war schnell klar, da machen wir mit. Denn die meisten von uns müssen im Normalfall bis zum 67. Lebensjahr arbeiten und was dem Gesetzgeber noch so einfallen wird … wer weiß das schon. Die Wahrscheinlichkeit, dass nachfolgende Generationen länger ran müssen, ist groß. Uns ist es wichtig, dass die Menschen, die hier arbeiten, dies auch gesund tun können. Bestimmt kennen Sie auch Aussagen wie: „Früher war alles besser.“ Die Unternehmen und Menschen standen vor 100 Jahren schließlich auch vor Herausforderungen, denen sie begegnen mussten und waren mit belastenden Situationen konfrontiert. Deshalb würde ich sagen – es war nicht besser, sondern anders.

„Gefühlt leben wir auf der Überholspur“
Heute leben wir in einer Zeit, in der das Streben nach „mehr“ ganz weit vorne steht. Gleich gefolgt von „schnell“. Kostendruck, zunehmender Wettbewerb, demographischer Wandel, Fachkräftemangel und die Zunahme von gesetzlichen Vorgaben bestimmen das tägliche Tun, um mithalten zu können. Aufgrund des technischen Fortschritts konnten die körperlichen Belastungen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich reduziert werden. Im Gegensatz dazu hat die „Kopfarbeit“ stark zugenommen. Wir beraten und unterstützen Kunden, entwickeln Ideen, lösen Probleme. Wir sind – Computer & Co  sei Dank – rund um die Uhr erreichbar. Die Flut von Informationen ist schier grenzenlos. Entwicklungen, die früher Jahre gedauert haben, geschehen heute in wenigen Monaten. Es vergeht kaum ein Tag, an dem man keine Nachricht über ein neues Update zu irgendwas erhält. Ein permanentes Lernen und Auseinandersetzen mit Neuem ist notwendig geworden.

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Es strömt täglich viel auf uns ein – nicht jeder reagiert gelassen darauf

„Mit schwierigen Situationen umgehen und gestärkt herausgehen“
Eines ist – denke ich – auch klar: Den Fortschritt können oder wollen wir nicht wirklich aufhalten. Das Rad lässt sich nicht zurückdrehen. Auf die Annehmlichkeiten, die daraus entstanden sind und immer weiter entstehen werden, möchte wahrscheinlich auch keiner verzichten. Gefühlt leben wir auf der Überholspur, wie ich finde.
Deshalb ist für Organisationen und Menschen wichtig, Strategien für sich zu entwickeln, wie man mit den Herausforderungen des täglichen Lebens umgeht und dabei widerstandsfähig bleibt. Und wie man in belastenden Situationen flexibel reagieren und gestärkt aus ihnen herausgehen kann.

Psychische Belastung wird nach der DIN EN ISO 10075  – ja, auch hierfür gibt es eine DIN-Norm – als „Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken“, beschrieben. Diese Definition ist erstmal wertneutral. Das bedeutet, eine Belastung kann sowohl positive als auch negative Beanspruchung nach sich ziehen.  Und das ist immer  abhängig davon, wie der Mensch die Belastung wahrnimmt, bewertet und beurteilt, was wiederum abhängig ist von den persönlichen Voraussetzungen, die er mitbringt,  wie die Statur, die Erfahrungen, oder das individuelle Wissen.

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Eine gründliche Ursachenforschung kann helfen Schwierigkeiten schon im Ursprung zu erkennen

„Probleme nicht erst im Nachgang bewältigen“
Durch das Projekt „Resilire“ erhoffen wir uns weitere Impulse für das betriebliche Gesundheitsmanagement. Für mich hat eine betriebliche Gesundheitsförderung zum Ziel, gesundheitliche Probleme nicht mehr ausschließlich im Nachgang zu bewältigen, sondern sie durch eine entsprechende Verhütung erst gar nicht mehr entstehen zu lassen – die sogenannte Ursachenbekämpfung. Oder anders formuliert: Ziel sollte es nicht sein, ausschließlich Strategien zu entwickeln, wie das „Kind“ aus dem Brunnen geholt werden kann, sondern es sollte vielmehr darüber nachgedacht werden, was wer wie  – einschließlich dem „Kind“ selbst – tun kann, damit es erst gar nicht in den Brunnen fällt. Ein Grund, warum wir uns dazu entschlossen haben, uns als Volksbank Freiburg am Projekt „Resilire“ zu beteiligen.

Dementsprechend bin ich auf die Instrumente zur Förderung von Resilienz gespannt, die im Projekt „Resilire“ entwickelt werden. Die Volksbank Freiburg  fungiert dabei als betrieblicher Verbundpartner. Das heißt, wir bringen unser branchenspezifisches KnowHow und unsere Erfahrungen mit ein. Wir sitzen bei den Verbundtreffen  nicht nur so rum und machen ein freundliches Gesicht, sondern  sind aktiv dabei, um einen echten Mehrwert für die Bank und die Menschen die hier arbeiten zu generieren.

Angedacht ist, dass wir die entwickelten Instrumente bei uns im Haus auf freiwilliger Basis testen. Denn alle Beteiligten sind auf eine Rückmeldung angewiesen, um gegebenenfalls Änderungen und Verbesserungen vornehmen zu können. Wann das sein wird, können wir Stand heute noch nicht sagen. Auch habe ich noch keine Ahnung, wie das ganzheitliche Resilienz-Management für die Volksbank Freiburg am Ende aussehen wird. Das wird sich mit Fortschreiten des Projektes entwickeln.Wir werden aber auf alle Fälle wieder darüber berichten.

„Verantwortung übernehmen: Alle sind gefragt“
Letztlich geht es meiner Meinung nach darum, Bedingungen zu schaffen, die es den Menschen ermöglichen, auf die Faktoren, die ihre Gesundheit beeinflussen, auch Einfluss nehmen zu können. Am Ende des Tages sind wir es – jeder einzelne von uns, man könnte auch sagen die Gesellschaft – die die Arbeit, die Arbeitsbedingungen und die Freizeit organisieren, beziehungsweise gestalten. Wir sind also alle gefragt.

Es macht wenig Sinn, wenn die Unternehmen das Thema Mitarbeitergesundheit in die Schublade „Eigenverantwortung des Mitarbeiters“ stecken und Arbeitnehmer die Verantwortung auf die Unternehmen zurückdelegieren. Wer sich nur als Opfer sieht, verliert seine Handlungsfähigkeit, ein Gefühl des Fremdbestimmtseins macht sich breit – auf beiden Seiten. Ein Zitat von Paul Watzlawick trifft es, wie ich finde, ziemlich gut:

„Ich bin frei, denn ich bin der Wirklichkeit nicht ausgeliefert, ich kann sie gestalten.“

Weitere Informationen zu Resilire und dem Verbundprojekt finden Sie in unserem Voba-Magazin oder auf der Internetseite des Verbundprojektes Resilire.

 Autor: Elke Hambrecht

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