Archiv der Kategorie: Lesetipps

Paula Hawkins: Girl on the Train

Girl on the train war nach seinem Erscheinen in den USA und in England ein großer Erfolg und wurde vom deutschen Feuilleton deswegen sehr kritisch beäugt. „Retortenroman“ war noch eine der freundlicheren Bezeichnungen. Es mag sein, dass die Geschichte auf dem Reißbrett geplant und der Verkauf durch entsprechende Marketingmaßnahmen gepusht wurde. Der Spannung beim Lesen tut dies keinen Abbruch.

Das Leben der Hauptdarstellerin Rachel geht nach der Trennung von ihrem Mann stetig bergab. Ex-Mann Tom wohnt mit seiner zweiten Frau Anna in dem früheren gemeinsamen Haus. Gemeinsam haben sie mit Tochter Ivy das Kind, das sich Rachel sehnlichst gewünscht und trotz mehrerer Versuche nicht bekommen hat. Stattdessen hat Rachel mit dem  Trinken angefangen und ist dem Alkohol so verfallen, dass sie auch ihren Job verloren hat. Um die Fassade aufrecht zu erhalten, fährt sie weiterhin jeden Tag wie gewohnt mit dem Pendlerzug in die Londoner Innenstadt.

Der Zug hält täglich mehrere Minuten direkt neben ihrer alten Straße. Bei diesen Stops beobachtet sie jeden Tag das Paar Megan und Scott, die in direkter Nachbarschaft zu ihrem Ex-Mann wohnen. Die beiden scheinen das perfekte Paar zu sein. Rachel gibt den beiden Fantasienamen und denkt sich für sie das Leben aus, welches sie selbst gerne mit ihrem Ex-Mann geführt hätte. Diesen kann sie nicht loslassen und bedrängt ihn in Alkoholrausch mit Telefonaten, Mails und unerwünschten Besuchen.

Eines Morgens platzt die von ihr ersonnen Idylle, als sie vom Zug aus beobachtet, wie Megan im Garten einen fremden Mann küsst. Kurze Zeit später verschwindet Megan spurlos und wird später ermordet aufgefunden. Rachel teilt ihre Beobachtungen der Polizei mit, wird aber als unglaubwürdige Zeugin eingestuft. Zudem war sie am Tatabend selbst in der Straße, da sie ihren Ex-Mann mal wieder sturzbetrunken gestalked hat. Ihr fehlt aber jede Erinnerung, stattdessen ist sie am Morgen nach dem Mord blutend und mit Verletzungen in ihrem Bett aufgewacht …

„Girl on the train“ wird aus drei Perspektiven erzählt: Während Rachel versucht, ihre Erinnerungen zurückzubekommen, erhält man sukzessive Einblick in das Leben des Opfers Megan, das alles anderes als perfekt ist und die ein düsteres Geheimnis aus ihrer Vergangenheit mit sich trägt. Die dritte Sicht ist die von Toms neuer Frau Anna, die sich zunehmend von Rachel bedroht fühlt und zu Megan nachbarschaftliche Kontakte pflegt.

Die vierte „Hauptfigur“ ist die Vorstadt. Paula Hawkins wagt den Blick hinter die scheinbar perfekte Idylle der glücklichen Kleinfamilien, zeigt die Leere und Langeweile, die verkorksten Lebensläufe und den täglichen Betrug.

Dem Leser ist es leider nicht vergönnt, irgendeine der Hauptfiguren sympathisch zu finden. Im Verlauf der Geschichte wird jeder verdächtig und bleibt dies auch bis zum Schluss. Der Roman hält eine konstant hohe Spannung. Insbesondere Rachels voranschreitendes Abrutschen, das nicht zu stoppen zu sein scheint, geht einem nah.

Fazit: „Girl on the train“ ist spannend gemacht. Die Autorin hat solides Handwerk abgeliefert. Wer einen guten Krimi lesen möchte, macht nichts falsch.

Peter Hoeg: Der Susan-Effekt

Peter Hoeg hatte in den 90er Jahren einen sensationellen Erfolgt mit seinem Roman „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“. Seine nachfolgenden Romanen konnten an den großen Erfolg nicht anknüpfen (wobei insbesondere „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“ ebenfalls sehr zu empfehlen ist). Jetzt schickt er in seinem neuen Roman „Der Susan-Effekt“ eine weitere starke Frauenfigur in ein aberwitziges Abenteuer.

Susan ist Experimentalphysikerin und steht mit ihrer Familie am Anfang des Romans vor der Total-Katastrophe. Die Familie gerät auf einer Reise nach Indien komplett ins Chaos: Susan selbst wird wegen versuchten Mordes an ihrem Liebhaber verhaftet, ihr Mann Laban hat wegen einer Liaison mit der Tochter eines Maharadschas die südindische Mafia am Hals, die Tochter ist mit einem Priester durchgebrannt und der Sohn sitzt in Nepal wegen Antiquitätenschmuggels in Haft.

Der dänische Geheimdienst hilft aus diesen Schwierigkeiten, verlangt aber eine Gegenleistung. Susan und ihre Familie sollen die Teilnehmer und die Protokolle der „Zukunftskommission“ ausfindig machen. Diese tagte in den 70er Jahren und bestand aus Fachleuten aus verschiedenen Fachrichtungen, denen es gelungen ist, wesentlichen Ereignisse der Zukunft treffsicher hervorzusagen. Susan soll dabei ihre besondere Begabung einsetzen: Den „Susan-Effekt“, der dafür sorgt, dass alle Menschen in ihrer Gegenwart nach kurzer Zeit aufrichtig sind und ihre tiefsten Geheimnisse offenbaren. Die Suche beginnt und es folgt eine actionreiche Hetzjagd mit vielen Toten.

Peter Hoeg zeichnet Susan als Superweib, die über umfangreiche intellektuelle Fähigkeiten verfügt, gleichzeitig eine leidenschaftliche Liebhaberin und perfekte Hausfrau ist. Ihre Croissants backt sie nachts nach allen Regeln der Physik, die Lammfilets werden genau 25 ½ Sekunden gebraten, gleichzeitig doziert sie über physikalische Abhandlungen.

Ihr Leben lief nicht immer so perfekt: Der Vater verließ die Familie früh, im Internat wurde sie von einem Betreuer vergewaltigt. Trotz dieser Brüche führt sie die Familie durch eine abgedrehte, manchmal schon überfrachtete Story, die aber immer unterhaltend bleibt.

Hoeg bleibt seiner Linie aus den bisherigen Romanen treu und verquickt die Actionstory immer wieder mit wissenschaftlichen Inhalten und seiner Kritik an der dänischen Gesellschaft, die den Mainstream als Ideal darstellt. Ein wenig nervt der esoterische Unterton, aber wer Lust auf einen Roman hat, der Dinge überzeichnet und sich selbst nicht so ernst nimmt, macht mit dem „Susan-Efekt“ nichts falsch.

Matt Haig: Ich und die Menschen

Jetzt ist Sommer, die Ferien zum Greifen nahe und ein gutes Buch sollte immer zur Hand sein. Ich bin kürzlich über ein nettes Werk gestolpert, das sich wirklich gut lesen lässt – auch für zwischendurch im Zug oder Schwimmbad. Es ist nicht zu anspruchsvoll, dafür aber sehr kurzweilig geschrieben und nicht nur etwas für Science Fiction-affine Leser, sondern wirklich für jedermann. Die Rede ist hier von „Ich und die Menschen“ von Matt Haig. Der englische Originaltitel lautet schlicht „Humans“.

Humans
Es geht hier um einen Alien, der mit einem Auftrag seiner Vorgesetzten vom Heimatplaneten zur Erde gekommen ist. Seine Aufgabe ist es, das Universum zu retten und dafür soll er bestimmte Menschen umbringen.
Im Körper eines Mathematik-Professors wandelt er nackt über einen Universitätscampus, infolgedessen er zunächst einmal in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen wird. Dann macht er die Bekanntschaft seiner „Ehefrau“ – eigentlich die Ehefrau des Mannes, dessen Körper er nun im Besitz hat – und seinem „Sohn“, der selbstmordgefährdet ist. Da die Mission des Alien es vorsieht, alle Spuren und Hinweise der mathematischen Entdeckung des besagten Mathematik-Professors zu beseitigen, muss er intensiven Kontakt mit dem menschlichen Umfeld aufnehmen und sich so die Art und Absonderlichkeiten dieser Menschen zu eigen machen. Er wird selber immer mehr Mensch und gefährdet so seine Aufgabe.

Das Buch ist durchweg aus der Sicht des Aliens geschrieben. In diese vermeintlich objektive Perspektive packt der Autor Weisheiten und staubtrockene Ansichten über das Menschsein, die mich regelmäßig entweder zum Schmunzeln gebracht oder nachdenklich gestimmt haben. Abgesehen davon bekommt man ein paar Schnappschüsse aus der Welt der höheren Mathematik präsentiert, fein säuberlich so formuliert, dass es auch ein Nicht- Mathematiker versteht.

Ich glaube, dass jeder, der über eine Portion Selbstironie verfügt, Spaß beim Lesen haben wird.

Matt Haig:  Ich und die Menschen
DTV München, 9,95 Euro (Taschenbuch)

Für 14,90 Euro als gebundenes Buch und für 14,99 Euro auch als Hörbuch zu haben.

Volker Kutscher: Lunapark

„Lunapark“ ist der sechste Band der Krimireihe des Autors Volker Kutscher mit der Hauptfigur des Kommissars Gereon Rath. Die Serie spielt vor dem Hintergrund des Endes der Weimarer Republik und der Machtübernahme durch die Nazis. Gereon Rath stellt dabei das Sinnbild des typischen Deutschen dar, der ohne große politische Ansichten versucht , sich mit den jeweiligen Begebenheiten zu arrangieren.

Im ersten Roman der Reihe, „Der nasse Fisch“, konzentriert sich Kutscher noch auf den eigentlichen Kriminalfall. Die sich anbahnenden politischen Veränderungen fügt er eher in seine gut gelungenen Beschreibungen des sehr liberalen Berlins der 20er Jahre ein. Im Laufe der Reihe gewinnt das Politische aber an Gewicht und zeigt, wie sehr das faschistische Regime damals in alle Lebensbereiche, auch die privaten, eingriff.

„Lunapark“ spielt im Jahr 1934. Die Nazis haben die Macht übernommen und betreiben massiv ihre Säuberungsaktionen. Die Kriminalpolizei musste wesentliche Befugnisse an die Geheime Staatspolizei abgeben. Als mehrere SA-Mitglieder ermordet werden, arbeiten beide Behörden an der Auflösung. Rath muss gemeinsam mit seinem früheren Untergebenen, Reinhold Gräf, der bei der Gestapo Karriere macht, den Fall lösen. Während Gräf alles dafür tut, den Kommunisten die Morde anzuhängen, ermittelt Rath auf eigene Faust, um den wahren Täter zu ermitteln. Dies gelingt ihm recht schnell, aber die Überführung des Mörders wird für Gereon Rath zu persönlichen Katastrophe.

In „Lunapark“ stellt der eigentliche Kriminalfall nur noch die Rahmenhandlung dar. Volker Kutscher konzentriert sich vielmehr auf die Auswirkungen, welche die Machtübernahme der Faschisten auf die Gesellschaft generell und das Leben der Hauptfiguren im Besonderen hat. Dies zeigt sich schon an den Rissen, die durch Raths Familie laufen. Er selbst ist unpolitisch, lehnt die Gewaltmethoden der Nazis ab, lehnt sich aber nicht gegen diese auf. Seine Frau Charlie hingegen sympathisiert mit den Kommunisten und wird von der SA verhaftet, während Pflegesohn Fritz glühender Anhänger der Hitlerjugend ist.

Vor dem Hintergrund dieser unsicheren Zeiten verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen Gut und Böse. Raths Kollege Gräf, bisher eher ein Sympathieträger der Reihe, strebt eine politische Karriere an und scheut sich nicht davor, im Rahmen des Röhm-Putsches seinen Liebhaber zu erschießen und steht nun vor der Herausforderung, die eigene Homosexualität geheim zu halten.

Johann Marlow erlebte man bisher als Gentleman-Verbrecher. Klar, ein Krimineller, der sein Geld mit unlauteren Mitteln verdient, aber dem man bisher eher eine noble Gesinnung zugestand. In „Lunapark“ zeigt er sein wahres Gesicht und bringt Gereon Rath in eine ausweglose Situation.

Rath selbst ist ein Mensch, der keinen moralischen Kompass hat. In den ersten Romanen lässt er weder Drogen noch Liebschaften mit anderen Frauen im Berliner Nachtleben aus. Um seine Fälle zu lösen, zögert er nicht mit Berufsverbrechern wie Marlow zusammen zu arbeiten. Und auch er hat einen Menschen auf dem Gewissen, der ihm Nacht für Nacht in seinen Träumen wieder erscheint.

Am Ende von „Lunapark“ wird Rath den Fall gelöst haben und dafür beruflich Karriere machen. Gleichzeitig hat er das Vertrauen seiner Frau, seines Sohnes und seines von ihm bewunderten Vorgesetzten verloren. Zudem klebt weiteres Blut an seinen Händen.

Die Bücher um Gereon Rath sind eine tolle Krimi-Lektüre, die sich wirklich zu lesen lohnt. Obwohl „Lunapark“ als eigenständiger Roman sicherlich funktioniert, ist er nur bedingt zum Einstieg in die Reihe geeignet. Zu häufig wird auf Handlungsstränge aus den vorangegangenen Romanen verwiesen. Es lohnt sich aber, von vorne mit „Der nasse Fisch“ anzufangen. Die Serie ist auf acht Bände angelegt und wird zudem gerade von Tom Tykwer verfilmt und ab Herbst auf Sky zu sehen sein.

Volker Kutscher: Lunapark
Kiepenheuer&Witsch, 22,99 Euro


 

Leon de Winter: Ein gutes Herz

de WinterDieser vielschichtige und spannende Roman ist Thriller, Politkrimi und Liebesgeschichte in einem. Leon de Winter verknüpft darin gekonnt die Probleme islamischer Jugendlicher in den Niederlanden mit der Geschichte der wunderschönen und rätselhaften weiblichen Heldin, lässt reale Politiker auftreten und nicht zuletzt sich selbst und das mit überraschender Selbstironie.

Aufhänger der Geschichte ist der islamistische Ritualmord an dem provokanten Filmemacher Theo van Gogh, der den niederländischen Autor zu Lebzeiten zum Intimfeind erklärt hatte und ihn in Talkshows und Kolumnen durch den Schmutz zog.

Im Roman darf van Gogh als Schutzengel in einen islamischen Terrorangriff eingreifen und dadurch Erlösung erlangen. Klingt irgendwie metaphysisch – und das ist es auch; ein spannender Kontrast zu der sehr „irdischen“ restlichen Story.

Leon de Winter: Ein gutes Herz
Diogenes 22,90 Euro

Adam Fletcher: Wie man Deutscher wird in 50 einfachen Schritten

Dieses ziemlich lustige Buch habe ich kürzlich gelesen und möchte es Ihnen hier unbedingt ans Herz legen. Adam Fletcher ist Engländer und lebt seit rund 10 Jahren in Deutschland. Aus der Perspektive des „Zugezogenen“ betrachtet er vermeintlich typisch deutsche Eigenheiten wie die Vorliebe für Apfelsaftschorle und den Tatort, die Neigung, gegen alle Unwegbarkeiten eine Versicherung abzuschließen oder das Fenster im Schlafzimmer auch im Winter „auf kipp“ zu stellen.

Dabei sind natürlich auch einige Klischees wie die Vorliebe für Kartoffeln oder das Tragen von Outdoorklamotten. Bei vielen anderen Dinge war ich bisher garnicht auf die Idee gekommen, dass das typisch deutsch sein könnte. Dazu gehören das Tragen von Hausschuhen, die Vorliebe für sprudelndes Wasser und das exzessive Zuprosten.
Auf jeden Fall fühlte ich mich nicht nur einmal ertappt und musste häufig über mich selbst und über meine Landsleute lächeln.
Auch wenn sich Fletcher natürlich über vieles lustig macht, wirkt der Text doch keineswegs verächtlich, sondern vielmehr recht liebevoll. Schließlich geht in dem Buch ja auch darum, sich all diese Eigenschaften anzueignen.

Adam Fletcher: Wie man Deutscher wird in 50 einfachen Schritten. Eine Anleitung von Apfesaftschorle bis Tschüss, C.H. Beck, 8,95 Euro

Graeme Simsion: Der Rosie-Effekt

Don Tillman ist wieder da!
Nachdem hier bereits vor etlichen Monaten der erste Band von Graeme Simsion – Das Rosie-Projekt –  vorgestellt wurde, wollte ich es mir nicht nehmen lassen, den Folgeband über Don Tillman und seiner Rosie der Leserschaft unseres Voba-Blogs ans Herz zu legen.

Bevor Rosie in das Leben des sehr beflissenen, extrem strukturierten und nach Tagesablaufplan lebenden Wissenschaftlers getreten war, hatte Don nie mehr als ein Date mit der gleichen Person. Mit Rosie wurde das alles anders.

Jetzt, in der Fortsetzung – leben sie beide in New York und sind seit zehn Monaten und zehn Tagen erfolgreich miteinander verheiratet. Auch wenn das für Don bedeutet, seine genau nach Plan festgelegte Einnahme von Mahlzeiten aufzugeben und Sex außerhalb der festgelegten Termine zu haben…

Beide haben sich scheinbar sehr gut mit sich und der amerikanischen Lebensweise und Umgebung arrangiert und sind eifrig am Arbeiten und Studieren. Dann lässt Rosie die Bombe platzen – sie ist schwanger. Und Don muss sich mit der Tatsache anfreunden, dass sein so geordnetes Leben dadurch gewaltig auf den Kopf gestellt wird.

Infolge der Verkettung von skurrilen Umständen und seinem Ehrgeiz, der optimale Vater zu werden, sieht sich Don plötzlich auch noch  mit der Ausweisung aus den USA, polizeilicher Strafverfolgung und unehrenhafter Entlassung aus der Hochschule konfrontiert.

Wird Don Tillman es schaffen, sich all diesen Herausforderungen zu stellen und zu dem Mann und Vater zu werden, den er es sich immer vorgestellt hat? Oder fällt er wieder in sein altes Muster zurück und riskiert dabei, seine Rosie, ihre Liebe zueinander und das Kind für immer zu verlieren?

Stecken sie mal die Nase in das Buch. Es macht viel Spaß, es zu lesen.
Graeme Simsion schafft es durch seinen schrägen Blick auf scheinbar banale und unspektakuläre Dinge, eine gelungene Fortsetzung des ersten Bandes zu schreiben.

Graeme Simsion: Der Rosie-Effekt , Fischer-Verlag, 9,99 Euro (Taschenbuch)

Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben

Ich war mit zuerst nicht sicher, ob man „Ein wenig Leben“ in Rahmen unserer Lesetipps wirklich empfehlen kann. Denn dieser Roman ist von einer unglaublichen Radikalität und treibt seinen Leser an seine Grenzen. Man mag das Buch an die Wand werfen, weil man es nicht mehr auszuhalten vermag, gleichzeitig hat es so ein hohes Suchtpotential, dass man mit dem Lesen nicht aufhören kann – deshalb will ich es hier auf jeden Fall vorstellen.

Die Autorin Hanya Yanagihara ist Jahrgang 1975 und Redakteurin des Lifestyle-Magazins der „New York Times“. „Ein wenig Leben“ ist ihr zweiter Roman und der erste, der in deutscher Übersetzung erschienen ist. Das Buch verzeichnet große Erfolge und stand auf den Short Lists mehrerer Buchpreise. Derzeit ist eine Verfilmung als TV-Serie in Vorbereitung.

„Ein wenig Leben“ handelt von vier Freunden, die sich auf der High School kennengelernt haben und gemeinsam in New York ihre Karrieren starten. Zentrum der Gruppe ist Jude, von dem man anfangs nur weiß, dass er Rechtsanwalt ist, einen Autounfall hatte, seitdem körperlich versehrt ist und unter heftigen Schmerzattacken leidet.

Die Geschichte startet anfangs als klassische Coming-of-Age-Geschichte und typischer New-York-Roman. Doch nach etwa 150 Seiten merkt man, dass die Autorin mit dem Leser etwas anderes vorhat. Sie beginnt, Judes Lebens- und Leidensgeschichte zu erzählen. Über die knapp eintausend Seiten verteilt, erfährt man stückweise die furchtbaren Details und wie die Vergangenheit Jude in seinem weiteren Lebensverlauf immer wieder einholt.

Yanagihara hat einen klaren, kompromisslosen Schreibstil. Sie beschreibt die glücklichen, wie auch die grausamen Momente mit einer Intensität, die ich vorher so nicht kannte. Es ist in die eine wie in die andere Richtung manchmal nicht zu ertragen. Immer wieder setzt sie Zeichen der Hoffnung, um dem Leser dann nur zu zeigen, dass man seinen Dämonen nicht entkommen kann und Geschichte sich immer wieder wiederholt. Trotz der Momente, in denen sie zeigt, was menschliche Güte bewirken kann, holt sie uns immer wieder zurück in die Realität, in der sich Menschen gegenseitig unbeschreibliche Dinge antun. Ihre Figuren bewahren sich ihr Leben lang den Glauben, dass sie andere retten können, dass sie ihre Schwächen ablegen können, dass sie ihre Krankheiten heilen können. Und genau an diesem Glauben scheitern sie immer und immer wieder.

Yanagihara verzichtet darauf, zeitliche Bezüge zu setzen. Man weiß nicht, wann die Geschichte spielt. Äußere Ereignisse, wie beispielsweise 9/11, welche der Logik nach stattgefunden haben müssen, spielen keine Rolle. Ebenso gibt es fast keine Frauenfiguren. Die Ansiedlung in der New Yorker Künstlerszene und dass ausnahmslos alle Hauptfiguren fantastische Karrieren ohne Brüche hinlegen, sind kritisch zu hinterfragen. Aber eben dieses Szenario lässt Yanagihara den Raum, sich auf das für sie Wesentliche zu konzentrieren.

„Ein wenig Leben“ polarisiert. Dieses Buch kann einem nicht gleichgültig sein. Sie werden es hassen oder lieben oder beides gleichzeitig. Auf alle Fälle sollten Sie es nicht verpassen und sich darauf einstellen, dass die Story Sie emotional tief bewegen wird.

Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben, Hanser Literaturverlage, 28 Euro (Hardcover)

Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich

Thees Uhlmann ist eigentlich als Frontmann der Hamburger Band „Tomte“ und solo als Musiker unterwegs, folgt jetzt aber dem Vorbild des sehr erfolgreichen Frontmanns von „Element of Crime“, Sven Regener, und versucht sich als Autor. Mit „Sophia, der Tod und ich“ hat er seinen sehr vergnüglichen Erstlingsroman vorgelegt.

Hauptprotagonist ist der namenlose Ich-Erzähler, ein Altenpfleger um die 40, der ohne rechten Plan sein Leben lebt. Er ist Vater eines Sohnes, den er seit dessen Geburtstag kaum gesehen hat, dem er aber jeden Tag eine Postkarte schreibt. Ansonsten ist seine einzige Leidenschaft Fußball und ein zynischer Blick auf das Leben im Allgemeinen.

Eines Tages steht bei ihm der Tod vor der Tür und will ihn mitnehmen. Das übliche Prozedere sieht vor, dass dem Todgeweihten noch drei Minuten verbleiben, in denen er über sein Leben und die unerfüllten Wünsche reflektieren kann. Just in diesen drei Minuten stört Sophia, die Ex-Freundin mit polnischen Wurzeln und ihrer offenen, burschikosen Art, das Ritual, um den Hauptdarsteller für einen Besuch bei seiner Mutter abzuholen. Da die übliche Vorgehensweise somit unterbrochen ist, nutzt der Tod die Gelegenheit für einen Ausflug ins normale Leben und schließt sich den beiden an.

Der Hauptdarsteller beschließt, dass er, bevor er stirbt, seinen Sohn noch einmal sehen möchte. Und so reisen alle, gemeinsam mit der Mutter, nach Süddeutschland. Wie bei einem Roadmovie erlebt die bunt zusammen gewürfelte Truppe auf dieser Fahrt die beste Zeit ihres Lebens. Dies verläuft nicht ganz ungestört, denn der Tod hat auch seine persönlichen Probleme. Es gibt einen Konkurrenten, der gerne seinen Platz einnehmen möchte und als Zeichen seiner Eignung will sich dieser den Sohn der Hauptfigur schnappen. So wird die Reise zum Wettlauf gegen die Zeit und das Finale gipfelt in einem Kampf der Tode. Klingt komisch, ist aber sehr lustig geschrieben.

Uhlmann verliert sich zwar immer mal wieder in Plattitüden, aber seine Figuren beschreibt er mit viel Liebe. Vorneweg natürlich Sophia, die das Leben nimmt, wie es kommt und auch vom Erscheinen des Todes nicht sonderlich beeindruckt ist, sondern sich mit diesem in einer Kneipe erst einmal volllaufen lässt. Die Mutter findet alles „Toll. Tolltolltoll.“ und richtet ihr Leben nach den Regeln der Hugenotten aus („Ich bin nicht deine Oma, ich bin die Grand-Maman“). Und selbst für den Tod empfindet man viel Sympathie bei seinen ersten Erfahrungen mit dem realen Leben. So nennt er sich in der ihm eigenen Ironie Morten de Sarg und gibt sich als niederländischer Bestattungsunternehmer aus. Und die Hauptfigur macht zuletzt mit sich und der Welt ihrenFrieden, bevor sie endgültig mit dem Tod mitgeht.

Fazit: Keine große Literatur, aber vergnüglich zu lesen. Und letztlich ist der Gedanke schon spannend, was man selbst machen würde, wenn plötzlich der Tod bei einem klingelt…

Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich, Kiepenheuer & Witsch, 18,99 (Hardcover)

Jane Gardam: Die „Old Filth-Trilogie“

Der erste Band der Trilogie: Ein untadeliger Mann

Obgleich Jane Gardam seit mehr als vierzig Jahre in England eine erfolgreiche Autorin ist, werden erst jetzt, nahe ihrem 90. Geburtstag, ihre Bücher ins Deutsche übersetzt. Im Münchner Hanser Verlag ist die „Old Filth“-Trilogie erschienen – „Old Filth“ steht für „alt, dreckig“ und ist der Spitzname einer der Hauptpersonen. Dieser Name ist konträr zum Titel des ersten der drei Bände, „Ein untadeliger Mann“, und weist schon auf die feine Ironie hin, mit welcher die Autorin ihre Stories unterlegt.

Die drei Bücher handeln von den Eheleuten Eddie und Betty Feathers und Terry Veneering, Eddies Erzfeind und Bettys heimliche große Liebe.  Die drei stehen sinnbildlich für das britische Empire und dessen Niedergang. Sie verkörpern Erfolg, Weltmännigkeit, Manieren, Stil und elitäres Gehabe und fallen doch mit den Veränderungen des Weltgeschehens zunehmend aus der Zeit.

Allen drei gemein ist, dass sie von ihren Eltern früh getrennt wurden. Eddies Mutter stirbt bei der Geburt in Malaysia. Sein Vater kann keine Beziehung zum ihm aufbauen und schickt ihn zu entfernten Verwandten nach England. Bettys Mutter schickt das Mädchen zur besseren Erziehung ins Internat nach China. Und Terrys Mutter ist Kohlehändlerin und lässt ihn im Zweiten Weltkrieg evakuieren. Sie selbst stirbt im Bombenhagel.

Der zweite Band „Eine treue Frau“ wird aus Bettys Sicht erzählt

Ihr Glück finden die drei Protagonisten in Hongkong. Eddie und Terry machen als Anwälte Karriere und pflegen ihre bereits im Studium begonnene Feindschaft. Betty gerät zwischen die beiden. Sie verlobt sich mit Eddie und verspricht ihm, ihn nie zu verlassen. Eine Stunde später trifft sie Terry und vrebringt mit ihm eine einzige Nacht. Sie hält Ihr Versprechen Eddie gegenüber, wird aber bis an Ihr Lebensende mit Terry in Verbindung bleiben.

Zeichen dieser heimlichen Liebe ist eine Perlenkette, die sie identisch auch von Eddie bekommen hat und die sie kurz vor ihrem Tod im Garten vergraben wird, damit ihr Geheimnis nicht posthum aufgedeckt wird. Doch sie irrt sich, dass Eddie ihr Geheimnis nicht kennt. Er hat die ganze Zeit Kenntnis über den Seitensprung, schweigt aber, da er dieselbe Nacht mit seiner Jugendliebe verbracht hat. Beide haben sich, ohne dies jemals besprochen zu haben, für die Vernunftehe entschieden.

Im Ruhestand kehren alle nach England zurück und nach Bettys Tod werden die beiden Männer erst Nachbarn und dann Freunde. Es kommt in einer Nacht zu einer finalen Aussprache. Mit den gemachten Frieden trennen sich ihre Wege und beide werden ebenfalls kurz nacheinander den Tod finden.

Die einzelnen Bände der Trilogie erzählen die Geschichte jeweils aus der Perspektive einer der handelnden Personen. Der erste Band „Ein untadeliger Mann“ konzentriert sich auf Eddies Jugend als sogenannten „Raj-Waise“. Geboren in Malaysia, dann zur Erziehung nach England abgeschoben, wird er seinen Vater nie wiedersehen. In Pflegefamilien, Internaten und als Leibgarde von Queen Victoria erlebt er Leid und Glück und lernt Pflichtgefühl und Disziplin, was ihn zeitlebens prägen (und im Weg stehen) wird.

Der zweite Band „Eine treue Frau“ wird aus Bettys Sicht erzählt und handelt von den Jahren der Ehe, des unerfüllten Kinderwunsches (Betty kümmert sich stattdessen um Terrys Sohn) und der heimlichen Verbindung zu Terry.

Im dritten Band wird Terrys Geschichte aus der Sicht von alten Freunden und den Nachmietern seines Hauses erzählt

Band Drei hat als zentrale Figur Terry und erzählt seinen Werdegang. Während die ersten beiden Bände aus der Sicht der Hauptdarsteller geschrieben sind, erfährt man Terrys Geschichte hier aus Nacherzählungen von alten Freunden und den Nachmietern seines Hauses.

Die Trilogie ist dermaßen britisch geschrieben, dass es ein Muss für alle England-Fans ist. Alle anderen können sich an einer spannenden Geschichte erfreuen, die Jane Gardam mit Leichtigkeit und Ironie schreibt. Und obgleich drei Mal die gleiche Geschichte erzählt wird, bringt sie jedes Mal neue Wendungen und Interpretationsmöglichkeiten in die Story. Es ist wie immer im Leben, es gibt nicht die eine Wahrheit, sondern es kommt immer auf den Blickwinkel an.

Man legt den letzten Band mit einer gewissen Wehmut weg und mag sich nur schwer aus dem Kosmos der handelnden Personen verabschieden. Jane Gardam lässt trotz ihres hohen Alters offen, ob es weitere Bände geben wird. Es gibt eine Zahl von Nebencharakteren, über die man gerne mehr erfahren möchte: Beispielsweise Terrys Sohn, von dem man weiß, dass er als Geheimagent arbeitet und der dabei den Tod findet. Oder Eddies zufälligen Trauzeugen, Fiscal-Smith, ebenfalls Anwalt, aber von allen ignoriert und nur im Fahrwasser der beiden anderen erfolgreich. Oder Isobel Ingoldby, Eddies Jugendliebe und Erbin, die eigentlich Frauen zugeneigt ist und scheinbar eine Affäre mit der Tochter einer gemeinsamen Freundin hat. Oder Eddies ewigen Begleiter, ein Kleinwüchsiger mit enormen Vermögen und Bettys ärgster Feind, … Es bleibt also spannend.

Jane Gardam: Ein untadeliger Mann, (22,90 Euro), Eine treue Frau (21,90 Euro) und Letzte Freunde (22 Euro), Hanser Literaturverlage

Mikael Bergstrand: Der Fünfzigjährige, der nach Indien fuhr und über den Sinn des Lebens stolperte

Bergstrand_MDer_FuenfzigjaehrigeJa, Sie haben richtig gelesen und nein, das Buch hat nichts mit dem „Hundertjährigen der aus dem Fenster stieg und verschwand“ zu tun. Das einzige was beide Bücher vereint ist, dass beide Autoren aus Schweden kommen.

Ich glaube es geht vielen im Leben einmal so: Man tritt auf der Stelle und fragt sich, ob das Leben so noch Sinn macht. Diese Gedanken treibt auch die Hauptfigur des Romans Göran um. Von der Frau verlassen und im Job gefeuert, stellt er fest, in welcher Routine sein Leben erstarrt ist. Das Angebot eines Freundes, ihn nach Indien zu begleiten, kommt da genau zum richtigen Zeitpunkt. Für Göran beginnt mit der Reise eine Sinnsuche der anderen Art. Inmitten einer vollkommen anderen Kultur erlebt der Protagonist spannende Abenteuer auf der Suche nach sich selbst und findet Freunde fürs Leben.

Vor allem die Hauptfigur des Buches macht dieses so unglaublich lesenswert. Von Beginn an konnte ich mich mit den Gedanken, Gefühlen und Handlungen von Göran identifizieren. Gerade weil dieser so überhaupt nicht perfekt ist, ist er unglaublich sympathisch und vor allem authentisch. Jeder, den fremde Kulturen so anziehen wie mich, wird dieses Buch sicherlich verschlingen. Die Beschreibungen zur indischen Lebensart und die entstehenden Verbindungen zu den Landsleuten sind absolut stimmig. Nebenbei gelingt es dem Autor, eine gehörige Portion Humor einzubauen, ohne eine der Figuren jemals lächerlich wirken zu lassen.

Gönnen Sie sich diese kurzweilige Lektüre und folgen Sie dem fünfzigjährigen Schweden auf der Reise seines Lebens durch Indien – Sie werden es nicht bereuen.
Benjamin Zimmermann

Mikael Bergstrand: Der Fünfzigjährige, der nach Indien fuhr und über den Sinn des Lebens stolperte
btb Verlag, 14,99 (broschiert)

Von Schweinen, kuriosen Menschen und jeder Menge Irrungen und Wirrungen

Das_LuegenhausEinen Familienepos der besonderen Art hat die norwegische Schriftstel- lerin Anne B. Ragde mit ihrer Trilogie „Lügenhaus“, „Einsiedlerkrebse“ und „Hitzewelle“ vorgelegt. Wer den ersten Band in die Hand genommen hat, sollte sich auch schon gleich die anderen beiden Bände zurechtlegen, denn die Spannung steigt von Seite zu Seite. Und das obwohl die Geschichte auf den ersten Blick unspektakulär erscheint. Wer sich aber auf sie einlässt, wird feststellen, wie faszinierend die Fütterung von Schweinen und der Alltag auf einem Hof in Norwegen sein kann.

Als klar ist, dass die Bäuerin Anna wohl nicht mehr lange leben wird, kommt nach Jahrzehnten erstmals wieder die gesamte Familie auf dem Gehöft in Trondheim zusammen. Und dabei handelt es sich um Charaktere, die unterschiedlicher kaum sein können. Der Schweinezüchter Tor, der den heruntergekommenen Hof mehr schlecht als recht übernommen hat, trifft auf seine beiden Brüder Margido und Erlend. Beide haben den Kontakt zum Elternhaus vor Jahren abgebrochen. Margido ist selbstständiger Bestattungsunternehmer und Erlend lebt mit seinem Lebensgefährten ein extravagantes Leben in Kopenhagen.

Und damit nicht genug: Zu dem ungewöhnlichen Trio stößt auch noch Tors Tochter Torunn, die er nur ein einziges Mal gesehen und bislang vor seiner Familie verheimlicht hat. Auch der Vater, der mit Tor auf dem Hof lebt und sein Altenteil bislang in der Stube vor dem Fernseher verbracht hat, wartet plötzlich mit einer Überraschung auf, die das Leben aller Beteiligten ins Wanken bringt.

Die Trilogie ist auf alle Fälle die richtige Lektüre für lange kalte Wintertage im „Lesesessel“. Auch wenn die schrulligen Originale nicht immer leicht zu ertragen sind, fesselt der Roman von der ersten Seite an und lässt einen nicht mehr los.

Anne B. Ragde: Lügenhaus , Einsiedlerkrebse und Hitzewelle,  je 9,99 Euro, Taschenbuch, Random House

Ransom Riggs: Die Insel der besonderen Kinder

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Die gerade neu erschienene Taschenbuchausgabe zur Verfilmung

Das Buch „Die Insel der besonderen Kinder“ fand ich in unserem Buchladen fast in der Ecke der Jugendliteratur unter der Rubrik Fantastik. So etwas eignet sich meiner Meinung nach immer für vergnügliche Lesestunden.
Hauptperson ist der noch nicht ganz volljährige amerikanische Junge Jacob, der nach dem mysteriösen gewaltsamen Tod seines Großvaters einen seelischen Zusammenbruch erleidet und fortan kein normales Leben mehr führen kann. Im Rahmen einer Psychotherapie macht er sich auf die Reise zu einer Insel in der Gegend von Wales in England.

Jacob stand als Kind seinem Großvater Abraham sehr nahe und dieser erzählte ihm immer wieder Geschichten über Kinder mit besonderen Fähigkeiten, die auf einer Insel leben – und von Monstern, die auf der Suche nach diesen merkwürdigen Kindern sind. Als fast erwachsener junger Mann glaubt Jacob nicht mehr an diese Märchen seines Großvaters. Aber nach dessen seltsamen Tod sieht er plötzlich etwas, dass ihn doch wieder an diese Geschichten glauben lässt und ihn völlig aus der Bahn wirft.

Er hofft nun, dass er mit dem Aufdecken der Geheimnisse aus der Vergangenheit seines Großvaters auch dessen unheimlichen Tod besser in sein Leben einordnen und die eigenen Angstzustände mildern kann. Also macht er sich zusammen mit seinem Vater auf die Reise nach den Spuren seines Großvaters. Die Reise führt ihn nach Wales auf eine kleine, spärlich besiedelte Insel. Er wird dort bei seinen Nachforschungen wider Erwarten fündig und in Geschehnisse hineingezogen, die jenseits seiner bisherigen Vorstellungen liegen.

Tatsächlich ist der Schreibstil eher so gehalten, dass die Geschichte eine jugendliche Leserschaft anspricht, aber spannend und unterhaltsam ist die Erzählweise allemal. Abbildungen von alten Schwarz-Weiß-Photos aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts illustrieren wunderbar die Figuren und Erzählstränge der einzelnen Kapitel und geben dem Werk eine besondere Note.

Da die Geschichte am Ende sehr abrupt aufhört, hege ich die Vermutung, dass es bald eine Fortsetzung geben wird. Ich hoffe, dass das nicht allzu lange dauert, denn ich möchte schon gern wissen, wie das Ganze noch ausgeht. Interessanterweise wird dieses Buch im nächsten Jahr als Film in die Kinos kommen – gerade neulich habe ich einen Trailer davon gesehen.

Also viel Spaß beim Lesen!

Ransom Riggs: Die Insel der besonderen Kinder, Knaur TB, 12 Euro

Joachim Meyerhoff: Alle Toten fliegen hoch

9783462044362_5Joachim Meyerhoff ist Schauspieler am Burgtheater Wien und unterhält dort seit Jahren das Publikum mit Erzählungen aus seiner Kindheit. Diese veröffentlicht er auch in Buchform in mehreren Teilen unter dem Titel „Alle Toten fliegen hoch“. Die beiden ersten Bände „Amerika“ und „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war?“ (dieses Buch habe ich allein schon wegen des Titels gekauft) sind schon länger auf dem Markt und auf alle Fälle wert, hier vorgestellt zu werden.

Meyerhoffs Kindheit spielt vor einer ungewöhnlichen Kulisse. Sein Vater leitet in Schleswig eine geschlossene Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Familie wohnt in einem Häuschen direkt auf dem Krankenhausgelände.

Die beiden Bände bauen nicht chronologisch aufeinander auf: „Amerika“ erzählt von dem Austauschjahr des Teenagers Joachim in der Einöde von Wyoming. „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ erzählt von den Kindheitsjahren insgesamt.

Meyerhoff erzählt mit leichtem Ton fast beiläufig von großen Peinlichkeiten und skurrilen Situationen: Seine Spielkameraden findet er unter den Krankenhausinsassen und kann später in Amerika nicht einschlafen, da ihm das Geheul fehlt, welches die Patienten in der Abenddämmerung tagtäglich anstimmen. In den USA beginnt er eine Brieffreundschaft mit einem deutschen Häftling in der Todeszelle, welcher überraschend begnadigt wird und der mangels anderer sozialer Kontakte bei der Familie einzieht. Seine amerikanische Gastfamilie sind strenggläubige Freikirchler mit einer Farm in the middle of nowhere.
Seine Teenagerliebe dort besticht im wesentlichen durch ihre voluminöse, durch Tonnen von Haarspray gefestigte Frisur und dadurch, dass sie nur unter dem Einfluss von Erdbeerschnaps seine körperliche Nähe sucht.

Die Handlung spielt in den 80er Jahren und Meyerhoff erzählt seine Geschichten höchst ironisch und mit viel Wärme. Die Romane handeln vom Erwachsenwerden und den Problemen dabei. Es bleibt aber nicht bei der Auflistung von Kindheits- und Teenager-Erlebnissen, sondern Meyerhoff berichtet auch über existentielle Krisen. In ersten Band stirbt der mittlere Bruder bei einem Autounfall. In zweiten Band überlebt der Vater seine Krebserkrankung nicht. Zudem kommt nach seinem Tod heraus, dass er ein Doppelleben mit einer zweiten Familie geführt hat.

Meyerhoff gelingt die Verknüpfung dieser Schicksalsschläge mit den kleinen Begebenheiten des Alltags in einer wunderbaren Art und Weise. Die Erzählungen behalten ihre Leichtigkeit auch bei den Schicksalsschlägen, ohne diese aber ins Lächerliche zu ziehen.

Aktuell ist der dritte Band erschienen. Allein der Titel „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ ist schon wieder Grund genug, das Buch zu kaufen…

Die drei Bücher von Joachim Meyerhoff:

9783462044362_5Alle Toten fliegen hoch – Amerika. KiWi-Taschenbuch, 9,99 Euro

9783462045161_5Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war.
Alle Toten fliegen hoch Teil 2, KiWi-Taschenbuch, 9,99 Euro

9783462315035_5Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke.
Alle Toten fliegen hoch Teil 3, Kiepenheuer&Witsch, 21,99 Euro

Isabel Bogdan: Der Pfau

Der_PfauDieser unterhaltsame Roman spielt auf einem leicht heruntergekommenen schottischen Landgut. Dessen Besitzer, Lord und Lady McIntosh, vermieten einige leerstehende Räume und Nebengebäude als Feriendomizil, um die enormen Instandhaltungskosten des alten Gebäudes zu finanzieren. Außerdem lebt hier eine unbekannte Zahl von Pfauen, von denen der Lord vor Jahren fünf Stück angeschafft hatte, weil er sich davon einen dekorativen Effekt erhoffte. Die Pfauen haben sich seither enorm vermehrt, so das niemand mehr genau weiß, wie viele es inzwischen eigentlich sind. Einer dieser Pfauen ist zudem verhaltensgestört: Er reagiert extrem aggressiv auf die Farbe blau und hat schon einige blaue Dinge beschädigt – unter anderem das Auto von Gästen.

Nun findet sich die Investmentabteilung einer Londoner Privatbank für ein Teambuilding-Seminar auf dem Landgut ein und deren Chefin hat ausgerechnet ein Auto mit einer Lackierung in blaumetallic. Das Unvermeintliche geschieht: Der Pfau beschädigt den schicken Wagen, was die Gutsherren zu verheimlichen versuchen. Aus dieser Vertuschungsaktion und der anschließenden heimlichen Beseitigung des Übeltäters ergibt sich eine ganze Kette von Verwicklungen und Missverständnissen.

Der Pfau ist der erste eigene Roman von Isabel Bogdan, die bisher sehr erfolgreich als als Übersetzerin englischer Literatur tätig war. Ich mag ihren feinen Humor, mit dem es ihr gelingt, den Leser zum schmunzeln zu bringen, ohne ihre Protagonisten jemals lächerlich zu machen. Die Romanfiguren werden mit all ihren Macken durchweg liebevoll beschrieben, ohne sie bloszustellen und bieten dem Leser viele Identifikationsmöglichkeiten. Insbesondere in den Beschreibung der Teilnehmer des Teambuilding-Seminars wird sich vielleicht der eine oder die andere wiedererkennen können. Lediglich das Ende war für mich ein wenig zu konstruiert, was dem Lesevergnügen aber kaum Abbruch tut.

Isabel Bogdan: Der Pfau, Kiepenheuer & Witch, 18,99 (Hardcover)

John Grisham: Das Komplott

Grisham_JDas_KomplottWährend meines Urlaubs habe ich „Das Komplott“ von John Grisham gelesen. Grisham ist ein weltberühmter US-amerikanischer Autor und wie einige seiner Hauptfiguren selber als Anwalt tätig. Daher wundert es auch nicht, dass „Das Komplott“ wie viele andere seiner Bücher ein Spiegel-Bestseller wurde. Zuerst wollte ich das Buch nicht lesen, weil es über 400 Seiten hat und ich Bücher mit so vielen Seiten nicht besonders mag, aber es hat sich wirklich gelohnt.

Malcolm Bannister sitzt wegen Geldwäsche unschuldig im Gefängnis. Er hat seine Frau und seinen Sohn verloren und verachtet die Justiz. Da Bannister früher Anwalt war, lernt er im Gefängnis eine Menge Leute kennen, die ihn um Rat fragen. Eines Tages werden der Bundesrichter und seine Geliebte gefoltert und getötet aufgefunden. Das ist die große Chance, auf die Bannister so lange gewartet hat. Sein Freifahrtschein aus dem Gefängnis, denn im Vergleich zum FBI kennt er den Mörder und das Motiv. Für Malcolm Bannister beginnt nun eine spannende Reise und der Leser bleibt lange im Ungewissen, was er eigentlich im Schilde führt, denn er hatte ganze fünf Jahre Zeit, sich diesen Plan zu überlegen.

John Grisham schafft es, die Spannung durchweg hoch zu halten und man muss immer weiter lesen, da ständig neue Informationen dazu kommen und die Geschichte immer neue Wendungen nimmt. Man will unbedingt herausfinden, was Bannister eigentlich geplant hat. Nebenbei lernt man noch so einiges über das amerikanische Rechts- und Strafsystem. Dinge, die zu Beginn als unwichtig erscheinen, werden am Ende geschickt zusammen geführt. Man muss stets aufmerksam lesen und auf jede Kleinigkeit achten.

John Grisham: Das Komplott, Heyne, 9,99 Euro, (Taschenbuch)

Jean-Luc Banalec: Bretonischer Stolz

Bretonsicher StolzDie Bretagne-Krimis des unter dem Pseudonym Jean-Luc Banalec schreibenden Autors sind ein echtes Phänomen: In die Stadt Pont-Aven, Hauptschauplatz des Erstlings „Bretonische Verhältnisse“, kommen seit dem Erscheinen des Buches noch mehr deutsche Touristen. Auch die Besucherzahl auf den Glénan-Inseln, auf denen der zweite Band „Bretonische Brandung“ spielt, ist deutlich gestiegen. Und das Restaurant Amiral in Concarneau, wo Kommissar Dupin, der Held aller vier bisher erschienenen Krimis, häufig noch spät abends sein Entrecôte-Frites mit einem Rotwein aus dem Languedoc zu sich nimmt, ist häufig überlaufen.

Die vier Krimis sind zuerst in Deutschland erschienen und  stürmten hier von Anfang an die Bestsellerlisten. Das liegt zum einen an den malerischen und athmosphärischen Landschaftsbeschreibungen und den treffenden Charakterisierungen der einheimischen Bevölkerung. Zum anderen ist es sicherlich die Figur des Kommissar Dupin: Der sympathisch eigenwillige Ermittler ist aus Paris in die Bretagne zwangsversetzt worden und lernt deren Eigenheiten deshalb gemeinsam mit dem Leser kennen.

Auch der vierte Band „Bretonischer Stolz“ ist sofort auf der Spiegel-Bestsellerliste gelandet. Dieses Mal ist Dupin am Cap Finistère, dem äußersten Westzipfel Frankreichs unterwegs, als er von einer verschwundenen Leiche erfährt. Im Zuge der Ermittlungen lernt der Kommissar die Zwillingsschwester einer Filmdiva kennen, mit der er seine Leidenschaft für die bretonische Küche und guten Wein teilen kann. Schnell entwickelt sich eine skurrile Geschichte, in der neben Druiden-Kulten und keltischen Brudervölkern auch eine Sandraub-Mafia tragende Rollen spielen … Die richtige Lektüre für den Sommerurlaub also, egal ob man diesen in der Bretagne verbringt oder irgendwo anders – Hauptsache es steht ein Liegestuhl für gemütliche Lesestunden zur Verfügung!

Genau passend zur Ferienzeit ist übrigens gerade der fünfte Bannalec-Krimi „Bretonische Flut“ erschienen:  In seinem neuesten Fall verschlägt es Kommisar Dupin auf die Île de Sein im äußersten Westen der Bretagne. Mal sehen, ob der Touristenstrom aus Deutschland bald auch auf dieser kleinen, autofreien Insel mit ihren 200 Bewohner ankommt …

Jean-Luc Banalec: Bretonischer Stolz, Kiwi-Taschenbuch, 9,99 Euro

Benjamin von Stuckrad-Barre: Panikherz

Panikherz1998 erschien Benjamin von Stuckrad-Barres Erstling „Soloalbum“, ein Roman über die Trennung eines Mittzwanzigers von seiner ersten großen Liebe. Das Buch hat mich damals total begeistert. Es war ungemein witzig und lebensnah geschrieben. Gemeinsam mit Christian Kracht begründet Stuckrad-Barre damals die sogenannte Popliteratur. Die folgenden Romane „Livealbum“ und „Blackbox“ waren dann deutlich schwächer, so dass ich den Autor aus den Augen verlor und nur noch ab und zu als Gastgeber einer schrägen Talkshow in irgendeinem Spartensender wahrgenommen habe.

Vor ein paar Wochen habe ich aus Interesse „Soloalbum“ noch mal gelesen und war daher sehr gespannt, als mit „Panikherz“ die Biografie von Stuckrad-Barre kürzlich erschienen ist. Und die hat es in sich.

Stuckrad-Barres früher Erfolg hatte seinen Preis und dem Aufstieg folgte eine exzessive Drogenkarriere und Magersucht. Diese Phase seinen Lebens arbeitet er jetzt in „Panikherz“ auf und macht dies so realistisch und trotzdem mit so viel Humor, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag. Nicht dass es täuscht: Die Drogenexzesse werden deutlich und sehr ausführlich beschrieben. Stuckrad-Barre wirft einen schonungslosen Blick auf sich und lässt auch nicht aus, wie hart der tägliche Kampf der Abstinenz ist, den er mittlerweile seit zehn Jahren führt.

Stuckrad-Barre wächst in der niedersächsischen Provinz in einem gutbürgerlichen, linksliberalen Haushalt auf. Sein Vater ist Pfarrer, die Familienverhältnisse sind alles andere als zerrüttet. Trotzdem hat er schon als Kind eine innere Unruhe, „dieses Zucken im Bein“, das sich nicht abstellen lässt. Dies begleitet ihn sein Leben lang und er versucht es als Erwachsener mit Kokain zu betäuben. Außerdem hat er im Rausch keinen Hunger, was seine Magersucht zusätzlich vorantreibt.

Sein wesentliches Interesse gilt der Musik und so arbeitet er nach der Schule unter anderem als Musikkritiker beim Rolling Stone, als Produktmanager bei einer Plattenfirma und als Gagschreiber für Harald Schmidt, bevor er seine Karriere als Autor startet. Parallel dazu rutscht er in den Drogensumpf, aus dem er sich erst mit dem vierten Klinikaufenthalt mit der Hilfe seines Bruders  befreien kann.

Hauptfigur des Romans ist aber eigentlich Udo Lindenberg. Er ist der musikalische Held der Jugend, wird von Stuckrad-Barre in dessen Jahren als Musikkritiker harsch angegangen und nimmt ihn später trotzdem in seine „Panikfamilie“ auf. Lindenberg und Regisseur Helmut Dietl sind Vorbilder und Orientierungspunkte für Stuckrad-Barre und geben ihm neben der Familie den notwendigen Halt.

„Panikherz“ hat ein ernstes Thema und ist nicht immer leichte Kost. Stuckrad-Barre blickt sehr ehrlich auf sein eigenes Scheitern, macht dies aber zugleich unheimlich humorvoll. Da verzeiht man, dass er wesentliche Bereiche seines Lebens, wie zum Beispiel Beziehungen, einfach ausklammert. Die vielen Anekdoten von Begegnungen mit Prominenten sind manchmal etwas sehr gewollt, beispielsweise wenn er von dem Besuch eines Beach Boys-Konzertes mit Thomas Gottschalk berichtet. Aber insbesondere die Szenen mit Udo Lindenberg sind so liebevoll und amüsant geschrieben, dass man am liebsten selbst zu Udo ins Hotel Atlantic nach Hamburg fahren und mit ihm ein Likörchen trinken möchte.

Meine Empfehlung: Unbedingt lesen.

Benjamin von Stuckrad-Barre: Panikherz, Kiepenheuer & Witsch, 22,99 Euro (Hardcover)

Danielle Steel: Sein Strahlendes Licht – Die Geschichte meines Sohnes

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Die erfolgreiche Autorin Danielle Steel

Die Autorin Danielle Steel ist für ihre einfühlsamen Liebesromane bekannt. Ein Grund, weshalb ich bisher noch kein Buch von ihr gelesen hatte, da mich dieses Genre weniger anspricht. Nun hatte mir ein Freund vor einiger Zeit jedoch diesen Roman von ihr empfohlen.

In „Sein strahlendes Licht “ verarbeitet die Autorin einen harten familiären Schicksalsschlag – die Geschichte ihres Sohnes Nick Traina, der sich mit 19 Jahren das Leben nahm. Warum? Nick litt an einer bipolaren Störung, besser bekannt als manische Depression. Bis zu elf Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen, doch diese Art der Depression wird sehr oft nicht erkannt.

Die Autorin erzählt in diesem autobiographischen Roman den Weg mit ihrem kranken Sohn und verarbeitet dadurch seinen Tod. Schon nach wenigen Seiten ist man von der einfühlsamen Art, der Zerrissenheit der Autorin und der besonderen Art ihres Sohnes in den Bann gezogen. Danielle Steel erzählt schonungslos das Auf und Ab in ihrem und im Leben ihres Sohnes und vom langen Weg bis zur Diagnose „manisch depressiv“.

Das Buch ist das Portrait eines jungen Mannes, der einen langen Leidensweg ertragen musste und viel zu früh seine geliebte Familie verlassen hat. Darüber hinaus setzt es sich auch dafür ein Warnsignale viel früher ernst zu nehmen und psychisch Kranken  respektvoll zu begegnen. Eine Geschichte, die das Herz berührt!

Das Buch ist derzeit leider vergriffen, man bekommt es aber antiquarisch oder in Leihbibliotheken.

Ken Follet: Die Jahrhundert Saga

RZ_Follett_Titanen_Klappe.inddDie Bücher von Ken Follet begeisterten mich in der Vergangenheit sehr, denn „Die Säulen der Erde“ oder dessen Nachfolger „Die Tore der Welt“ konnte ich zeitweise nicht mehr aus der Hand legen und so war schnell klar dass ich auch diesen Dreiteiler lesen muss.

Der erste Band, „Sturz der Titanen“, handelt von den Geschehnissen des  Ersten Weltkriegs und wird aus der Perspektive von Familien aus Deutschland, Russland und England erzählt:
Ethel Williams, die ein Kind von ihrem walisischem Hausherren erwartet, wird in Schande aus dessen Haus gejagt. Doch sie lässt sich nicht entmutigen und kämpft in London für die Rechte der Frauen.
Walter von Ulrich sehnt sich, anders als sein Vater, nach einem demokratischen Deutschland und verliebt sich in die Engländerin Lady Maud. Wird die junge Liebe den Krieg unbeschadet überstehen?
Die Waisenjungen Grigori und Lew Peschkow ereilen verschiedene Schicksale: Wird Lew sein Glück in Amerika finden? Wie ergeht es Grigori als Revolutionär in seinem Heimatland?

Follett-Winter-der-WeltDer zweite Band, „Winter der Welt“, führt die Geschichten der Familien Williams und von Ulrich weiter. Junge Menschen wie Lloyd Williams beschließen gegen den Faschismus zu kämpfen, aber auch Carla von Ulrich geht in den Widerstand und kämpft gegen das Unrecht, das im Namen ihres Volkes passiert.
Die lebenslustige Amerikanerin Daisy dagegen träumt nur von einem sozialen Aufstieg und erwartet später eine böse Überraschung.

Follett-Kinder-der-FreiheitIm letzten Band „Kinder der Freiheit“ erlebt Rebecca Hoffmann eine unschöne Überraschung, als sie durch Zufall erfährt, dass ihr Ehemann sie für die Stasi bespitzelt. Doch weder Rebecca noch Ihre Kinder geben auf. Wird es zu einer spektakulären Flucht in den Westen kommen?
George Jakes spürt in Boston am eigenen Leibe, was Rassendiskriminierung bedeutet. Wem kann er weiterhin vertrauen? Er und viele andere Betroffenen setzen ihr Vertrauen in Martin Luther King, doch wird dieser die Erwartungen erfüllen können?

Die Geschichten der fünf Familien können unterschiedlicher kaum sein, doch die Geschehnisse verbinden Sie dennoch auf unterschiedliche Weise.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Ken Follett: Sturz der Titanen, Winter der Welt, Kinder der Freiheit, Bastei Lübbe, je 12,99 Euro (Taschenbuch)

Jackie Thomae: Momente der Klarheit

Thomae_24943_MR1.inddDie Journalistin Jackie Thomae hat mit ihrem ersten Roman ein Buch geschrieben, dass mich schlichtweg umgehauen hat. Das Buch handelt von der Liebe, ist aber kein Liebesroman. Vielmehr beschreibt es die Momente im Leben, in denen einem die Realität schlagartig klar und bewusst wird und in deren Folge sich das eigene Leben radikal ändert.

Da ist zum Beispiel das Ehepaar, das am Flughafen in einer Bar auf den Abflug wartet. Eine zweite Frau setzt zu Ihnen an den Tisch und beiden Eheleuten ist sofort klar: Wegen dieser Frau werden sie sich trennen und diese Frau wir die zweite Ehefrau des Mannes.

Oder die Frau, die „der Kinder wegen“ mit ihrem ersten und ihrem dritten Ehemann in den Urlaub fährt, dabei aber nur an ihren zweiten Ehemann denkt, der ihre große Liebe war.

Oder der Mann, der auf einer Party seine auf dem Tresen tanzende Frau beobachtet und vergöttert, kurz darauf aber den Kommentar einen jungen Mädchens über die „Alte, dies es noch mal wissen will“ hört, danach nur noch Tragik für seine Frau empfindet und mit ebendiesem Mädchen durchbrennt.

Oder die Frau, die im Nachtzug plötzlich realisiert, dass sie Alkoholikerin ist.

Oder der Mann, der von seiner Frau wegen Mittelmäßigkeit verlassen wird und daher viele Dates mit mittelmäßigen Frauen hat: „Durchschnittliche Frauen, wollten mit ihm Fantasien ausleben, vor denen er sich teils fürchtete. Kein Abgrund war ihnen zu tief, kein Experiment zu dunkel. Anschließend setzten sie sich in einen Ford Ka, in dem ein Plüschtier am Rückspiegel hing, und fuhren zurück nach Pankow oder Rudow.“

Das klingt alles wahnsinnig deprimierend, die Leseprobe zeigt aber den Wortwitz, die klare Sprache und die pointierte Story. Angesiedelt ist der Roman im Künstlermilieu in Berlin, alle sind um die 40 und irgendwie miteinander verbandelt. Jackie Thomae hat Ihren Roman als Episodenroman konzipiert, was das handelnde Personal etwas unübersichtlich macht so dass man häufiger zum Personenregister am Ende des Buches greifen muss. Aber was sie erzählt und wie sie es erzählt, ist so witzig und böse und trotzdem nah am Leben.

Manchmal erschrickt man, weil man sich wiederfindet, weil einem selbst ähnliches passiert ist, weil man sich ertappt fühlt. Und auf alle Fälle erinnert man sich an die eigenen Momente der Klarheit, die einen an einen Wendepunkt des Lebens geführt haben.

Jackie Thomae: Momente der Klarheit, Fischer Taschenbuch, 10,99 Euro

Die Scheibenwelt-Romane

SCAN0026Mein heutiger Buchtipp: Die Geschichten aus der Scheibenwelt von Terry Pratchett. Leider ist dieser famose Autor Anfang des vergangenen Jahres verstorben, so dass wir nicht mehr in den Genuss einer weiteren Geschichte aus dem Paralleluniversum gelangen werden.

Ich bin sicher, dass Freunde des hintersinnigen Humors und solche, die in ihrer Freizeit zur Entspannung Fantasy-Romane lesen und gerne schmunzeln, schnell zur Fangemeinde dieser Geschichten gehören werden. Vordergründig handelt es sich um Comic-Fantasy – aber bei genauem Lesen wird man feststellen, dass sehr oft zwischen den Zeilen und teilweise auch passagenweise sehr ernste Töne anklingen. Nicht selten gibt es Andeutungen zu höchst aktuellen Themen unseres Alltags oder diese werden ordentlich in die Mangel genommen.

Wir haben es hier mit  mindestens zwei laufenden Metern Büchern zu tun, die, jedes für sich, eine eigene Geschichte erzählen, also für sich stehen. Aber die Geschehnisse ranken sich immer um die Topographie des Scheibenweltuniversums. Die Figuren, die in den einzelnen Büchern auftauchen oder die Orte der Handlung lassen sich in anderen Geschichten wiederfinden. Dadurch erhalten die Bücher einen Bezug zueinander, sind aber nicht zwingend chronologisch hintereinander weg zu lesen.

SCAN0024Bei den Geschichten aus der Nachtwache – meine persönlichen Favoriten – macht das allerdings Sinn, weil der Leser so von Anfang mitbekommt, wie sich aus einer Truppe von Versagern über  vier bis fünf Bücher hinweg eine Eliteeinheit kriminalistischer und polizeilicher Arbeit entwickelt. In deren Zentrum steht regelmäßig Hauptmann Samuel Mumm, dessen Abenteuer mich immer wieder aufs Neue fesseln. Diese Geschichten haben ein bisschen den Charakter einer amerikanischen Krimiserie à la CSI oder noch eher „Castle“. Nur dass der „Fall“ als solcher nicht unbedingt im Fokus steht – es sind das Agieren der Figuren, die Hintergründe und die Nebengeschichten, die das Ganze so spannen, witzig und lesenswert machen.

Bei den „Hexengeschichten“ gibt es starkt verfremdete Bezüge zu Klassikern wie „MacBest“. In „Mummenschanz“ wird die Story vom Musical ‚Phantom der Oper‘ aufs Korn genommen. Klassische Märchen wie das vom Aschenputtel erhalten in „Total verhext“ eine völlig andere Perspektive.

SCAN0025Zwei Charaktere tauchen in den Büchern sehr häufig auf – der Tod und der Patrizier. Der Tod  bildet in manchen Geschichten den Protagonisten wie in „Alles Sense!“, mal ist er eine Nebenfigur wie in „Mort“. Grundsätzlich ist er ein eher sympathischer Typ, mit sehr menschlichen Zügen. Auch der Patrizier, der politische Denker und Lenker der Geschicke im Zentrum der Scheibenwelt bildet zwischen den einzelnen Büchern eine Art Brücke.

Jedes dieser Bücher macht Spaß zu lesen. Insbesondere dann, wenn man ein bisschen Sinn für skurrile philosophische Fragestellungen hat. Denn diese werden in schöner Regelmäßigkeit durch den Kakao gezogen. In meiner persönlichen Bibliothek gehören die Scheibenwelt-Romane zu den meist gelesenen Büchern. Werfen Sie doch einfach mal einen Blick in einen dieser Romane.

Olga Grjasnowa: Die juristische Unschärfe einer Ehe

Gjrasnowa_978-3-446-24598-3_MR2.inddDer Titel des Romans verwirrt: Es geht um alle Facetten einer Ehe, aber nie um irgendwelche juristischen Details.

Leyla und Altay, beide dem eigenen Geschlecht zugewandt, führen eine Scheinehe, um den Anforderungen ihrer Familien zu entsprechen. Nachdem Leyla aufgrund eines Unfalls nicht mehr als Ballerina im berühmten Bolschoi-Ensemble auftreten kann, gehen beide nach Berlin und starten neu. Eines Tages verliebt Leyla sich in die unsichere Kunststudentin Jonoun. Altay kann dies nicht ertragen und verteidigt seine Position als Ehemann. Als Leyla einen erneuten Unfall hat, flüchtet sie vor der Situation nach Aserbaidschan. Altay und Jounoun reisen ihr gemeinsam nach. Während ihres Aufenthaltes in dem postkommunistischen Operettenstaat verliebt Altay sich und Jonoun und Leyla lernen sich auf einer Reise nach Georgien intensiver kennen. Am Ende bleibt trotzdem alles beim alten.

Schon der Erstlingsroman von Grjasnowa, „Der Russe ist einer, der Birken liebt“, war ein großartig erzählter Roman. Das aktuelle Buch besticht durch eine klare Sprache. Grjasnowa gelingt es, das aktuelle Lebensgefühl von Berlin und Baku einzufangen und den Leser in die Szenerie hineinzuziehen. Man ringt mit den drei Protagonisten, die in einer Zeit leben, in der alles möglich ist, es aber nicht schaffen, sich festzulegen, um das große Glück zu finden. Lieber wählen sie den kleinsten gemeinsamen Kompromiss und halten sich weiterhin alle Optionen offen.

Die Kritik hat das Buch sehr unterschiedlich besprochen – mir haben die Irrungen und Wirrungen der Menage à trois und die Beschreibung der Lebensmilieus der drei sehr gefallen.

Olga Grjasnowa: Die juristische Unschärfe einer Ehe, dtv, 9,90 (Taschenbuch)

Jean-Philippe Blondel: 6 Uhr 41

6-Uhr-41-Cover-394x648Cecile Duffaut nimmt nach einem anstrengenden Wochenende bei ihren Eltern den Frühzug zurück nach Paris und freut sich auf eine ruhige Zugfahrt. Dann aber setzt sich Philippe Leduc neben sie, mit dem sie vor 30 Jahren eine kurze Beziehung hatte, die damals bei einem Wochenendtrip nach London ein böses Ende fand. Beide erkennen sich, wagen es aber nicht, sich anzusprechen. Auf der Fahrt nach Paris hängen sie ihren Gedanken nach und reflektieren die Auswirkungen ihrer gemeinsamen Beziehung auf den restlichen Verlauf ihres Lebens.

Das Reizvolle an diesem Buch von Jean-Philippe Blondel ist die Ausgangssituation: Wer hat noch nicht einmal dem Gedanken nachgehangen: „Was wäre gewesen, wenn…“ Hier wird dieser Gedanke durchgespielt. Abwechselnd erlebt man die Perspektive von Cecile, dann die von Philippe.

Das Buch dreht sich auch um Wendepunkte in einem Leben. Während Philippe in der Jugend der verführerische Draufgänger war, dem alles zuflog, war Cecile die graue Maus, die von niemanden wahrgenommen wurde und die sich selbst im Weg stand. Das Wochenende in London, an welchem er sich von ihr auf erbärmlichste Weise trennte, änderte die Verhältnisse. In der Gegenwart ist Cecile die attraktive, toughe Geschäftsfrau, verheiratet, im Leben stehend und beruflich erfolgreich (auch ihre Geschäftsidee hat sie in London entdeckt). Philippe hingegen ist geschieden, perspektivlos im Job und übergewichtig.

Man kann sich wunderbar mit den beiden Hauptfiguren identifizieren, die in ihrem inneren Monolog gnadenlos ehrlich zu sich sind und durch diese zufällige Begegnung ein Zwischenfazit ihres bisherigen Lebens ziehen. Dieser Prozess setzt unwillkürlich auch beim Leser ein. Und man fängt auch an zu überlegen, was wohl wäre, wenn man selbst die erste Jugendliebe wieder träfe.

Zudem will man das ganze Buch über wissen, wie sich die Situation auflöst. Sprechen Cecile und Philippe sich doch noch an und was entwickelt sich daraus? Das wird hier natürlich nicht verraten.

Jean-Philippe Blondel: 6 Uhr 41, Goldmann, 8,99 Euro

Susan Abulhawa: Während die Welt schlief

Waehrend_die_Welt_schliefSusan Abulhawas Roman „Während die Welt schlief“ erzählt die Geschichte der Familie Abulhija über vier Generationen und spielt in den besetzten Palästinensergebieten. Die Geschichte beginnt mit der Gründung des Staates Israel als dessen Folge die Familie Abulhija ihr Heimatdorf Ein Hod verlassen muss. Niemand aus der Familie wird jemals zurückkehren, stattdessen folgen im Zuge des Nahost-Konfliktes eine Vielzahl von Schicksalsschlägen. Bereits auf der Flucht wird der Säugling Ismael von einem israelischen Soldaten entführt. Der Vater verschwindet in den Wirren des Sechs-Tages-Krieges. Die Mutter verliert sich in ihrer Trauer im Wahnsinn. Der Sohn Yussuf schließt sich der PLO an und sprengt als Racheakt für den Tod seiner Frau und seiner Kinder die amerikanische Botschaft im Libanon und stirbt dabei. Einzig der Tochter Amal, bereits im Flüchtlingslager geboren, gelingt über ein Stipendium die Flucht nach Amerika und somit die Möglichkeit, ein normales Leben zu führen.

Der Roman zeigt schonungslos die Grausamkeiten des Krieges, konzentriert sich dabei aber auf seine Figuren und wie diese durch Krieg, Flucht und Verlust geprägt werden. Susan Abulhawa nimmt dabei nie Stellung für eine der beiden Seiten ein, gleichwohl ihr Roman stark autobiographisch ist. Sie gibt nebem dem Leid der Palästinenser auch dem Grauen des Holocausts wie auch den Schmerzen der Opfer der PLO ausreichend Raum. Und sie setzt ein Zeichen für Hoffnung und Versöhnung, als Amal ihren verloren geglaubten Bruder Ismael, der von Juden aufgezogen wurde, wieder trifft.

Auch wenn die Inhaltsbeschreibung nicht danach klingt, ist in der Geschichte viel Fröhliches. Abulhawa hat eine leichte, fast schon poetische Schreibweise und setzt dem Grauen immer wieder Hoffnung entgegen. Die Geschichte hilft, den Nahost-Konflikt besser zu verstehen und veranschaulicht dem Leser in besonderer Weise, was Krieg und Flucht für die betroffenen Menschen bedeuten. Vor dem Hintergrund des aktuellen Tagesgeschehens mit der Flüchtlingskrise ist das Buch ganz besonders zu empfehlen.

Susan Abulhawa: Während die Welt schlief, Diana, 9,99 Euro

Lucinda Riley: Der Engelsbaum

Riley_LDer_EngelsbaumDer Roman „Der Engelsbaum“ von Lucinda Riley handelt von Greta, die seit einem schweren Unfall ihr Gedächtnis verloren hat und nach dreißig Jahren wieder in ihre alte Heimat zurückkehrt: Das Herrenhaus Marchmont Hall in den Bergen von Wales.

Als sie eines Tages bei einem Waldspaziergang auf ein Grab stößt, sieht Sie sich auf einmal mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, denn dort liegt ein kleiner Junge begraben: Ihr eigener Sohn.

Gretas Freund David, der sie nach Marchmont Hall begleitet hat, versucht die Vergangenheit vor ihr zu verbergen: Die beiden hatten sich während der Arbeit in einem Varieté kennengelernt. Während David nach und nach berühmt wurde, blieb Greta der Ruhm versagt. Nach einer ungewollten Schwangerschaft kam Greta bei Davids Onkel in Marchmont Hall unter. Dieser war bereit Greta zu heiraten und die Zwillinge als seine eigenen Kinder anzuerkennen. Nach schwerer Krankheit und dem darauffolgenden Tod ihres Sohnes flüchtete Greta gemeinsam mit ihrer Tochter aus dem Herrenhaus und zog in die Stadt. Da Greta keinen gut bezahlten Job findet beginnt sie das nachzuholen, was ihr selbst versagt blieb: Sie möchte ihre Tochter Cheska berühmt machen. Cheska wird in kurzer Zeit zum Weltstar und lernt die Sonnenseiten sowie auch die Schattenseiten des harten Filmgeschäfts kennen.

„Der Engelsbaum“ ist ein Buch über zwei Liebesgeschichten die unterschiedlicher nicht sein könnten, eine Mutter, die verzweifelt merkt, dass ihr ihre Tochter immer mehr entgleitet und über die Tatsache dass ein winziger Moment ein ganzes Leben verändern kann. Seien Sie gespannt und tauchen Sie in die spannende Geschichte der Familie Marchmont ein.

Lucinda Riley: Der Engelsbaum, Goldmann, 9,99 Euro

Lena Sander: Memory Effekt

515pahl9xYLMemory Effekt geschrieben von Lena Sander ist ein Muss für alle Thriller-Fans! Von Anfang an kann man sich in die Protagonisten hineinversetzen und kann so das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.
Die Story handelt von zwei Frauen, die beide unterschiedlicher nicht sein könnten: Die eine, Mia Kronen, wird von ihrem Ehemann jahrelang misshandelt. Nach acht Jahren gelingt ihr der Ausbruch aus der Ehehölle und sie wird in einem Sanatorium betreut. Als Mia eines Tages ihre eigene Todesanzeige in der Tageszeitung findet, glaubt sie der Albtraum beginne von vorne. Durch immer wiederkehrende Flashbacks wird Mia und damit auch der Leser in ihre schwere Vergangenheit zurück versetzt.

Linda Schwarz, die zweite Haupt-Protagonistin im Buch, führt ein beschauliches Leben mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter. Als ihr Mann nach einem schweren Unfall im Koma liegt, gerät ihr Leben aus den Fugen. Sie wird erpresst, verfolgt und auch ihre kleine Tochter scheint nicht vor ihren Peinigern sicher zu sein … Wie stehen die Geschichten der beiden Frauen im Zusammenhang und was passiert mit Lindas Tochter?

Lena Sander: Memory Effekt
CreateSpace Independent Publishing Platform, 8,99 (Taschenbuch)

Simon Beckett: Die Chemie des Todes

Simon-Becket_Chemie-des-TodesBeim Verpacken meiner Umzugskisten bin ich auf ein Buch gestoßen, dass ich vor sehr langer Zeit gelesen habe. „Die Chemie des Todes“ geschrieben von dem britischen Schriftsteller Simon Beckett. Eigentlich lese ich keine Triller, aber das Buch hat mich so gefesselt, dass ich es nicht mehr aus den Händen legen konnte und die Nächte „durgelesen“  habe.

Doch um was geht es in dem Buch? In dem unscheinbaren  Dorf Manham werden drei Frauen vermisst.  Eine dieser Frauen ist die Freundin des Protagonisten David Hunter, dem berühmtesten Rechtsmediziner Englands. Es beginnt eine fieberhafte Suche nach den drei vermissten Frauen, die sich nach und nach zu einer Hetzjagd  im Dorf entwickelt.  So wird das  ruhige kleine Dorf Manham  mit der Zeit zu einem schrecklich, mysteriösen Ort.

Ich finde den  Schreibstil des Autors ausgezeichnet. Er hat eine sehr klare und deutliche Sprache und reduziert die drei „Leichengeschichten“ auf das Wesentliche. Durch das Einsetzen von Sprachbildern  gelingt es ihm, den Leser mit in die Geschichte zu reißen. Und  das schon mit den ersten Zeilen des Buches:

„Ein menschlicher Körper beginnt fünf Minuten nach dem Tod zu verwesen. Der Körper, einst die Hülle des Lebens, macht nun die letzte Metamorphose durch. Er beginnt sich selbst zu verdauen“.

Simon Beckett bleibt aber dabei nicht stehen. Sein Thriller dreht sich vor allem auch über die gesellschaftlichen Probleme im Dorf.  Im Verlauf der Geschichte  kommt es so weit, dass die Dorfbewohner sich gegenseitig verdächtigen und der Umgang untereinander im Dorf sich verändert. Der Autor schafft es, die Spannung bis zum Schluss zu halten.  So erfährt der  Leser erst am Ende, ob die Freundin des Protagonisten gerettet werden kann.

Ich fand das Buch einfach atemberaubend, fesselnd und an manchen Stellen sogar grusselig. Meine Geschwister habe ich überzeugen können das Buch zu lesen, vielleicht schaffe ich es auch bei Ihnen.

Schon jetzt wünsche ich Ihnen viel Spaß bei der Lektüre.

PS: „Der Hof“ ist sein neues Buch.

Simon Becket: Die Chemie des Todes, Rohwolt, 9,99 Euro

Christopher Paolini: Eragon

EragonEragon ist eine Reihe von vier Büchern, die es schafft den Leser in tolle und spannende Phantasiewelten zu versetzen. Christopher Paolini hat es geschafft eine mit Abenteuern geladene Geschichte von Eragon und seinem Drachen Saphira zu schreiben.

Ähnlich wie Herr der Ringe oder Harry Potter wird durch mystische Wesen und durch Kampf und Zauberei eine tolle und verleitende Atmosphäre für den Leser geschaffen.
Viele kennen vielleicht die Verfilmung des ersten Buches. Diese wurde aber nicht fortgesetzt, aufgrund schlechter Kritik und zu starker Abweichung vom Buch. Wer sich also mehr von dem Film erhofft hatte findet seine Zufriedenheit in den Büchern.

Wer jetzt denkt, dass er für vier Bücher mehr als einen Urlaub braucht hat total Recht. Man sollte sich für die Bücher genug Zeit nehmen, um seiner Phantasie freien Lauf zu lassen. Schaffen Sie sich daher Ihre eigene Urlaubswelt mit Drachen, Elfen, Zwergen, Ra’zac, Urgals, Werkatzen und natürlich Menschen.

Ich wünsche jetzt schon viel Spaß und freue mich über Kommentare von anderen begeisterten Lesern.
Sebastian Hinderhofer

Christopher Paolini: Eragon, Das Vermächtnis der Drachenreiter (Blanvelet Taschenbuch, 9,95 Euro), Der Auftrag des Ältesten (Blanvelet Taschenbuch, 9,95 Euro), Die Weisheit des Feuers (cbj, 9,99 Euro) und Das Erbe der Macht (Blanvelet Taschenbuch, 9,99 Euro)

Arturo Pérez-Reverte: Dreimal im Leben

Perez-Reverte„Dreimal im Leben“ von Arturo Perez-Ruverte ist der perfekte Urlaubsroman. Genau das Buch, das man nicht mehr aus Hand legen mag und in einem Zug verschlingen will.

Es ist die Lebens- und Liebesgeschichte von der schönen Mecha und dem zwielichtigen Max. Beide lernen sich Ende der 20er Jahre auf einer Kreuzfahrt nach Buenos Aires kennen. Mecha ist die Ehefrau eines berühmten Komponisten, der im Wettkampf mit Ravel steht und den perfekten Tango schreiben will, Max arbeitet als Eintänzer auf dem Schiff und tanzt gegen Bezahlung mit den weiblichen Passagieren.

In Buenos Aires angekommen führt Max das Ehepaar in die übelsten Tangospelunken der Stadt und lässt sich auf eine Affäre mit der faszinierenden Mecha ein. Für beide ist es der Beginn der Liebe Ihres Lebens, dieses trennt sie aber umgehend und sie sehen sich erst Mitte der Dreißiger Jahre in Nizza wieder. Max Verwicklungen in eine Spionagegeschichte sorgen dafür, dass sie sich nach wenigen Tagen wieder aus den Augen verlieren.

Erst in den 60er Jahren begegnen sie sich, zwischenzeitlich beide im Rentenalter, auf Capri wieder. Und wieder werden sie getrennt, dieses Mal geraten sie und der gemeinsame Sohn zwischen die Fronten von Russen und Amerikanern vor dem Hintergrund des Kalten Krieges.

Neben der unerfüllten Liebe der Beiden liegt der Reiz des Buches in der Beschreibung der längst vergangenen Zeiten und der faszinierenden Orte. Arturo Perez-Ruverte ist ein grandioser Erzähler, der mit einer Leichtigkeit schreibt und Unterhaltung auf höchstem Niveau bietet. Selbst nach mehr als 500 Seiten mag man nicht aufhören zu lesen und hofft auf die vierte Begegnung der Beiden.

Arturo Pérez-Reverte: Dreimal im Leben, insel taschenbuch, 9,99 Euro