Faszination Berglauf

Raus in die spektakuläre Natur – das macht für mich die Faszination beim Berglauf aus

Unsere Natur ist ein Geschenk Gottes. Mit ihr bin ich groß geworden und in meiner Kindheit habe ich jede freie Minute genutzt um sie zu erobern. Holz sammeln, Hütten bauen, Steine suchen, Hügel und Bäume erklimmen oder mit Kumpels per Rad durch die Lande ziehen. Für mich hat die Natur schon immer etwas Magisches und Anziehendes. Heute genieße ich sie unter anderem beim Berglaufen, das mich seit einigen Jahren in seinen Bann gezogen hat.
Soweit ich mich zurückerinnern kann, hatte ich schon immer den Drang, mich in der Natur aufhalten zu wollen. Einfach raus und bewegen. Und so kam es auch, dass ich mit einem Fußballkameraden die Turnschuhe schnürte und die Berge rings um Staufen läuferisch erkundet habe. Nur zum Spaß – ganz ohne Ziel.

Leider habe ich das nicht fortgeführt und so verloren sich meine ersten Versuche des Berglaufens, sofern man dies so schon als solches bezeichnen konnte. Inzwischen habe ich meine alte Leidenschaft wiederentdeckt und genieße die Abwechslung zum Stadtlauf.

Ankommen am höchsten Punkt des Laufs – das ist für mich ein ganz besonderer Moment

Vom Berglaufen gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Viele denken dabei sofort an hohe Berge und unbezwingbare Höhen und fragen sich, wie man sich so etwas antun kann.
Für mich fängt das Berglaufen jedoch schon vor der Haustüre an. Der Schwarzwald bietet hier sehr schöne Möglichkeiten. Rings um meinen Heimatort befindet sich ein Eldorado von kleineren bis mittlere Höhenlagen, die es wert sind, erkundet zu werden. Der Enggründlekopf, die Kälblescheuer, der Belchen oder der Blauen, der Schauinsland oder das Köpfle im Münstertal sind ein paar wenige dieser Erhebungen. Für kurze wie für längere Einheiten ist alles geboten und ausdehnen lässt sich jede Strecke – je nach Lust, Laune und körperlicher Fitness.

Aber natürlich muss ich auch gestehen, dass die Höhen des Allgäus oder die Berge in Österreich, der Schweiz oder in Italien noch mal ein ganz besonderer Reiz haben.
In all diesen Gegenden gibt es unzählige Laufveranstaltungen, von denen ich die eine oder andere schon besucht habe. Sie alle werben mit einer tollen Organisation und einer prächtigen Naturlandschaft. Und wie ich hier so schreibe, kommen mir sofort ein paar Bilder in den Kopf. Sie sind bei mir eingebrannt und wecken sofort Erinnerungen und Emotionen. Es sind die unvergesslichen Momente und Eindrücke, die ich weder beim Mountainbiken noch beim Wandern so intensiv erlebt habe.

Unter Bergläufern herrscht ein einmaliges Zusammengehörigkeitsgefühl

Es sind die Bilder von Bergkulissen, von schmalen Bergpfaden, Wiesenquerungen, Wegen über Brücken und Viadukte, fantastischen Sonnenaufgängen und sehr netten Begegnungen mit Mitstreitern.
Die Frische am Morgen, die einen noch frösteln lässt, Schneefelder im Hochgebirge, die in der gleißenden Sonne eine willkommene Erfrischung sind. Es sind so viele Dinge, die ich hier niederschreiben könnte; aber neben all diesen aufregenden und spannenden Dingen gibt es immer wieder ein ganz besonderes Phänomen beim Berglauf und das ist das Zusammengehörigkeitsgefühl der Läufer. Hier respektiert man sich, es gibt kein Gerangel, kein Gemaule oder gar Rücksichtslosigkeit. Hier sind alle entspannt und gelassen. Man hilft sich, ist geduldig und genießt den Lauf und vor allem die Natur.

Ja, man muss schon ein wenig verrückt sein und bereit sein, den Kampf mit den Bergen auf sich zu nehmen. Das kostet viel Zeit, Kraft und Willen, aber es lohnt sich.
Für mich ist es ein Stück Freiheit, ganz nah bei mir und der Natur zu sein. Den Körper zu spüren und mit all meinen Sinnen die Umwelt aufzusaugen.

Der Höhepunkt des Berglaufens ist für mich immer der Zeitpunkt, an dem ich die höchste Stelle erreicht habe. Ich bin oben; ich habe es geschafft; was für ein Ausblick und welch eine Natur. Hier an diesem Flecken Erde sein zu können, es hier hoch geschafft zu haben und die Natur und den Ausblick genießen zu können, das ist für mich Lebensfreude pur.

Zum Berglauf gehört auch der Weg hinunter – mir persönlich liegt das Bergablaufen

Dieser Höhepunkt signalisiert mir dann aber auch, jetzt geht es bergab. Ja, das gehört auch dazu und macht tierisch Spaß. Das Bergablaufen liegt mir. Es bedarf zwar einer enormen Konzentration, Kraft und Koordination, um manchen Berg heil wieder nach unten zu kommen. Der Swissalpine in Davos war hier für mich eine besondere Erfahrung. Nachdem ich den Sertigpass bei Kilometer 60 erreicht hatte, ging es bergab. Zuerst über ein Schneefeld und dann entlang des Berghanges auf einem schmalen Schotterweg steil bergab. Hier war schnell zu erkennen, wer ein guter Bergabläufer war.
Nach der enormen Anstrengung bergauf lief es für mich wieder rund. Trotz beanspruchter Muskulatur konnte ich hier den Lauf mehr genießen. Tempo aufnehmen, Steinen ausweichen, kleine Bäche queren, sich in die 180-Grad-Kurven legen, wie ein Motorradfahrer und einfach im Eiltempo dem Tal entgegen fliegen.

Es ist großartig, einen Berg erlaufen und dabei die Natur genießen zu können. Wie gesagt, es ist eine willkommene Abwechslung zum Stadtlauf und weckt alle Körperzellen und Sinne zum Leben.

Autor: Ulf Schmidt

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