Digitalisierung – ein Standpunkt.

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Wir befinden uns mitten im Zeitalter der Digitalisierung – geht hierbei der Faktor Mensch verloren?

Digitalisierung. Ein Wort das es in sich hat. Noch vor ein paar Jahren hat das Institut für Zukunftsforschung die Digitalisierung als einen der zwölf Megatrends genannt. Megatrends ändern, so die Meinung der Zukunftsforscher, die Gesellschaft, das Zusammenleben, die Werte und die volkswirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten oftmals fundamental. Schaut man sich heute die aktuellen Megatrends an, sucht man vergeblich nach Digitalisierung. Ist also der Wandel schon abgeschlossen oder war alles doch nicht so groß, so fundamental, wie die Forscher zunächst dachten? Nein, auf keinen Fall!

Vieles ist schon ganz selbstverständlich
Die Wahrheit ist, wir befinden uns mitten im Zeitalter der Digitalisierung und das nicht erst seit gestern. Noch vor zehn Jahren wurde im Unterricht gelehrt, wie man eine Suchmaschine richtig bedient – heute weiß Max das schon im Grundschulalter – weil er mit Internet und Google groß geworden ist.

Wer geht heute noch an den Bahnschalter, um sein Bahnticket zu kaufen? Wer hat noch nicht nach Rezensionen im Internet geschaut, wenn eine größere Anschaffung anstand? Digital ist Alltag, das ist Fakt. Dies spiegelt sich auch in den Zukunftstrends wieder. Hier sehen die Zukunftsforscher den Trend der „Konnektivität“ als Megatrend der nächsten Jahre. Damit gemeint ist, dass sich unsere Kommunikation immer mehr in der digitalen Welt abspielt. Aber nicht nur Menschen kommunizieren digital miteinander, sondern auch Maschinen.

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Die heutige Generation weiß schon im Grundschulalter, wie sie mit Internet und Google umgeht

Geht der Faktor Mensch verloren?
Digitale Kommunikation wird oftmals mit einer gewissen Anonymität gleichgesetzt. Ist es also bereits Fakt, das der Mensch beispielsweise an der Einkaufstheke oder im Restaurant oder Fachhandel überflüssig wird? Digitalisieren wir uns die Menschlichkeit weg? Diese Fragen kann man sich tatsächlich ernsthaft stellen. Gerade in letzter Zeit gewinnt man den Eindruck, dass die Innovationen keine Grenzen mehr kennen. Lebensmittel einkaufen per App, ein Girokonto in fünf Minuten mit dem Smartphone eröffnen – Grenzen werden neu definiert. Am Ende des Tages bestimmt aber jeder selbst wann und wo er noch Wert auf persönliche Beratung und Service legt. Wie immer in der freien Marktwirtschaft wird auch hier die Nachfrage das Angebot lenken und den Markt neu sortieren.

Bank auch bald nur noch digital
Bei uns Banken geschieht momentan ja nichts anderes. Immer weniger Kunden gehen in die Filiale um einfache Servicedienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Die digitalen Serviceangebote in Form unserer Website und des Online-Banking werden nachgefragt wie nie. Klar, schließlich ist man den zeitlich uneingeschränkten Service mittlerweile von vielen anderen Dingen des Alltags gewöhnt. Selbst bei Behörden können bereits so manche Amtsgänge smart von zuhause aus erledigt werden.

Aber eine Studie zeigt auch, dass 63 Prozent der Bankkunden weiterhin einen persönlichen Ansprechpartner wünschen, an den sie sich bei komplexeren Finanzangelegenheiten wenden können. Hier werden der menschliche Kontakt und das damit verbundene Vertrauen noch geschätzt und nachgefragt. Am Ende heißt es ganz klar: Bank digital, ja! Aber eben nur da, wo es der Kunde auch verlangt.

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Neues braucht immer beides – Kritiker und Befürworter

Wir brauchen Kritiker und Skeptiker!
Geht man heute einkaufen, greift man ganz automatisch, ohne nachzudenken zu Bananen oder Ananas. Dieses grenzenlose Angebot haben wir der Globalisierung zu verdanken. Auch mal einen Megatrend gewesen und heute vollkommen selbstverständlich, nein sogar eigentlich nicht mehr wegzudenken. Sicherlich war es anfangs für unsere Vorfahren auch seltsam, diese Dinge tatsächlich immer verfügbar zu haben. Bis heute gibt es auch Kritiker, genauso wie beim Thema Digitalisierung. Diese, so finde ich, braucht es auch.  Ohne diese Menschen könnten Macher und Entscheider auf einer grünen Wiese machen was sie wollen.

Aber neue Strukturen, Abläufe und Mechanismen brauchen Kritiker. Nur so sind Korrekturen, Verbesserungen und Realitätsnähe möglich. Und an alle Skeptiker:  Auch euch braucht es. Wo würden wir hinkommen, wenn jeder Wandel ohne Gegendruck seinen Lauf nimmt. Die Geschwindigkeit wäre wahrscheinlich erdrückend. Ich glaube, wir leben von dieser Vielfalt.

Und dann sind da ja noch die Befürworter – zum Beispiel ich.
Ich bin sehr offen gegenüber den immer neuen, smarteren Möglichkeiten die mir die Technik bietet. Ich denke, ein solch grundlegender Wandel ist nicht aufhaltbar. Meine Arbeitskollegin hat an ihrem Arbeitsplatz ein tolles chinesisches Zitat angebracht, welches meine Einstellung ganz gut auf den Punkt bringt: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen bauen Windmühlen.“  Ich versuche also Windmühlen zu bauen, in dem ich stets ein offenes Ohr für neue Innovationen habe. Im Bezug auf das Bankgeschäft und mein Aufgabengebiet versuche ich, die Weiterentwicklungen einzubringen und so Neues zu schaffen. Die Möglichkeit Dinge grundlegend zu ändern, so glaube ich, hat man nicht so oft in seinem Arbeitsleben.

Aber alles hat seine Grenzen, manchmal beginnend im Kleinen: Wandel bedeutet nicht, dass Altbewährtes auf einmal keinen Bestand mehr hat. Ich bin sogar der Überzeugung, dass wir solche Anker im Leben brauchen, die uns Sicherheit geben und aus denen wir Kraft schöpfen können, um auf den neuen Wegen, die derzeit beschrieben werden, mit Sicherheit und Orientierung gehen zu können. So werde ich mich auch zukünftig gerne zum Feierabendbier in einem realen Biergarten treffen. Mit einem kühlen Blonden, das nach jahrhundertealter Brauwerkskunst gebraut wurde. Und in dieser Zeit bleibt das Smartphone dann auch in der Tasche – es geht schließlich nichts über ein persönliches Gespräch – daran ändert auch die Digitalisierung nichts.

Autor: Benjamin Zimmermann

Weitere Beiträge unserer Blogserie zum Thema Digitalisierung:
In ihrem Beitrag „Digitalisierung – Kooperation von Mensch und Maschine, auch beim Lernen“ beschäftigt sich Elke Hambrecht mit dem Einfluss des digitalen Wandels auf das Lernen.

In ihrem Beitrag „Digitales Fossil – ein Typisierungsversuch zum Thema Digitalisierung“ beschreibt  die „digitale Immigrantin“ Susanne Mentz ihren Umgang mit den Errungenschaften der Digitalisierung.

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