Nur Bares ist Wahres

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Durchschnittlich 103 Euro in bar hat jeder Deutsche in seinem Portemonnaie

Bargeld ist der Deutschen liebstes Kind. Während im Ausland das Bezahlen mit Karte auch bei Kleinstbeiträgen gang und gäbe ist, tun sich die Deutschen mit dem Loslassen von Münzen und Scheinen noch schwer. Laut Bundesbank hat jeder Deutsche durchschnittlich  103 Euro in seinem Portemonnaie, davon 5,73 Euro in Münzen. Insbesondere die ältere Generation hält am Bargeld fest. Fast die Hälfte aller Rentner gibt an, Zahlungen ausschließlich mit Bargeld zu tätigen. Insgesamt werden noch 53 Prozent der getätigten Umsätze bar abgewickelt. Der Trend ist rückläufig, allerdings hat sich der Rückgang seit 2011 verlangsamt.

Im internationalen Vergleich weicht das deutsche Zahlungsverhalten stark ab. In Skandinavien spielt Bargeld keine große Rolle mehr. In Dänemark beispielsweise müssen Tankstellen, Restaurants und auch kleine Läden voraussichtlich vom kommenden Jahr an kein Bargeld mehr annehmen.

Für Handel, Gastronomie und auch für uns Banken bedeutet Bargeld Arbeit und damit Kosten. Bargeldbestände müssen am Abend gezählt werden, Kassenbücher müssen geführt, Wechselgeld muss gerichtet werden. Das Bargeld muss irgendwo aufbewahrt werden. Je nach Höhe des Bestandes muss hierfür noch ein Tresor angeschafft werden und irgendwann muss dieses auch zur Bank gebracht werden. Spätestens jetzt macht sich jeder Unternehmer Gedanken, ob er seine Mitarbeiterin oder seinen Mitarbeiter mit den Tageseinnahmen unbegleitet zum Nachttresor oder den Einzahlautomaten schicken kann und somit dem Risiko eines Überfall aussetzt.

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Bargeld macht Arbeit: Es muss gezählt,  zur Bank gebracht und auf Echtheit geprüft werden

Für uns als Bank gilt seit Jahresanfang, dass wir jede Münze, die bei uns eingezahlt wird, auf ihre Echtheit prüfen müssen. Für die Prüfung der Echtheit sind zertifizierte Münzzählmaschinen notwendig, welche wesentlich teurer sind als die herkömmlichen Maschinen. Rein betriebswirtschaftlich ist es daher wenig sinnvoll, jede Filiale mit so einer Maschine auszustatten. Daher werden wir ab September große Münzbestände nur noch in speziellen Behältnissen, den sogenannten Safe Bags, entgegennehmen, um sie zentral auf Echtheit prüfen zu lassen. Kleinere Mengen an Münzen werden wir weiterhin wie gewohnt annehmen.

Neben der Wirtschaft hat auch Vater Staat auf die Abwicklung von Scheinen und Münzen wenig Lust. Man erhofft sich, elektronische Zahlungsströme besser kontrollieren und Geldwäsche stärker verhindern zu können. Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans hat aus diesem Grund schon angeregt, Barzahlungen auf maximal 2.000 Euro pro Zahlvorgang zu beschränken.

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Bei jeder Kartenzahlung werden Daten gespeichert, so mancher bevorzugt auch deshalb Barzahlung

Die Diskussion um eine Ablösung des Bargeldes wird hoch emotional geführt. Aber woher kommt die Liebe der Deutschen zu Münzen und Scheinen? Dies liegt zum einen daran, dass man mit Bargeld gefühlt einen besseren Überblick über seine Ausgaben hat. Zum anderen sichert es eine gewisse Anonymität und somit Freiheit, da Barzahlungen keine Spuren hinterlassen und niemand nachvollziehen kann, wann ich was für wie viel wo gekauft habe. Und in Zeiten von niedrigen Zinsen wächst die Bedeutung der Wertaufbewahrungsfunktion. Unterm Kopfkissen wird niemand negative Zinsen verlangen.

Nur Bares ist Wahres. Es ist bleibt abzuwarten, wie die Entwicklung weitergeht. Das Bezahlen per Handy steht in den Startlöchern und wird an Bedeutung gewinnen. Jüngere Generationen sind nicht geprägt von den Erfahrungen einer Währungsreform und haben zum Bargeld eine geringere emotionale Bindung als die Nachkriegsgeneration. Spannend wird die Diskussion auf alle Fälle und wer weiß es: Vielleicht blicken wir in 50 Jahren mit einem ungläubigen Lächeln auf die Bankfiliale zurück, in der es noch eine voll verglaste Kasse gab und versuchen unseren Enkeln zu erklären, was ein Bankräuber bei einem Überfall eigentlich erbeuten wollte.

Autor: Jens Mutter

 

Ein Gedanke zu „Nur Bares ist Wahres

  1. Hallo Herr Mutter!
    Super Zusammenfassung der aktuellen Lage.
    Liest sich gut und ist informativ für diejenigen, die vorhaben mal einen Tripp in die nördlichen Regionen zu planen.
    Das mit Dänemark habe ich z.B. noch nicht gewusst.

    MfG
    Susanne Mentz

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